Marco W. ist frei und die guten Deutschen freuen sich

SPON schreibt

Den meisten Uelzenern ist es gleich, wann Marco in seine Heimatstadt zurückkehrt. “Hauptsache, er ist dort weg”, sagt ein Mädchen von seiner Schule. “Sein Leben hat einen totalen Knick bekommen, den kann man nur ganz schwer wieder ausbügeln.” […] Der Ort zelebriert die Nachricht mit einem Autocorso und einem Hupkonzert wie zu Zeiten der Fußball-Weltmeisterschaft. Doch als der Gottesdienst beginnt, verstummt das Gebrüll. “Da legen wir nach, wenn Marco wirklich hier angekommen ist”, sagen drei Halbstarke mit Stadion-Trompeten an der Eislaufbahn in der Stadtmitte.

Die Solidarität und das Mitgefühl in der niedersächsischen Kleinstadt sind ungebrochen. Jeden Mittwochabend gab es seit Marcos Inhaftierung eine gut besuchte Andacht in der St. Petri-Kirche, die entgegen der üblichen Öffnungszeiten jeden Tag von acht Uhr morgens bis halb neun abends ihre Tore öffnete.

Jubelnde Massen von Deutschen, die sich freuen daß er “dort” weg ist. Das hat mehr als nur ein Geschmäckle. Es hat ein bißchen was vom Friedmann-Fall, sowie verschiedenen Übergriffen Israels auf seien Nachbarn, die wochenlang Antisemitismus als normales Diskurselement wieder eingeführt hatten. Der Fall Marco hat ähnliches für Islamophobie und ganz gewöhnlichen Rassismus geschafft. Solange Marco noch eingesperrt war, konnte man seinen Rassismus hinter pseudogutmenschlichem ‘Engagement’ verbergen. Das war besonders angenehm für solche, die sich für keine Rassisten hielten und halten, da konnten sie mal gut vom Leder ziehen, ohne daß ihnen mulmig wurde. Das ist die alte “Ich hab nichts gegen Ausländer, aber…”-Fraktion. Bezeichnend ist diese Passage, in diesem sonst mäßig geschriebenen SPON-Artikel:

Am meisten freuen sich die Deutschtürken über Marcos Heimkehr. “Ich wurde hier in der Firma täglich von deutschen Kollegen wegen Marco angemacht”, erzählt ein Türke aus Duisburg dem Hürriyet-Forum im Internet erleichtert. “Wenn noch einmal so etwas passiert, bitte schickt den Beschuldigten sofort zurück in seine Heimat. Die Leidtragenden sind zum Schluss doch nur wir und unser Land.”

Immer lesenswert auch classless’ schlaue Kolumnen wie dem Ökonomischen Gottesdienst.

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