Die guten und die bösen Deutschen

Vor ein paar Wochen haben wir uns ja allesamt über das hier gefreut, schöne große antisemitische Massenkundgebungen. Ich hätte ja verschiedene Bezeichnungen gefunden dafür, nicht aber “bürgerliche Demonstrationen gegen Krieg und Gewalt”. Ich wurde aber eines besseren belehrt, als ich folgende Frage samt Antwort in einem Interview fand, das der NRW-Verfassungsschutz-Chef Hartwig Möller den Ruhrnachrichten gab:

Muss Deutschland die eindeutige Instrumentalisierung von Demonstrationen gegen Krieg und Gewalt hinnehmen?
Möller: Extremisten freuen sich über die Aufmerksamkeit, die sie erzielen, wenn sie sich bei bürgerlichen Demonstranten einklinken. Rechte, Linke oder beide gleichzeitig versuchen immer wieder, bürgerliche Demonstrationen für ihre Zwecke zu nutzen. In einer offenen Gesellschaft darf eben jeder demonstrieren, auch Extremisten, solange sie sich an die Spielregeln der Gesetze halten.

Daß es sich bei besagten Extremisten keineswegs um Islamisten oder andere Freunde des gepflegten Judenhasses handelt, wird klar wenn wir sehen, daß es in dem kompletten, wirklich lesenswert-bekloppten Interview ausschließlich um die Antideutschen geht,

eine eindeutig linksextreme, antifaschistische und antiimperialistische Bewegung, die allerdings in der linken Szene eine Minderheit darstellt.

Mir schien die Tatsache, daß diese ‘Szene’, soweit ich sie aus der blogwelt mitbekomme, sehr zersplittert ist, immer ein interessanter Fakt zu sein, sowas weist ja oft darauf hin, daß die Dichte an einigermaßen selbstdenkenden Menschen besonders hoch ist. Da habe ich mich allerdings getäuscht, denn

es gehört zum Selbstverständnis der gesamten linksextremen autonomen Szene, jegliche Strukturbildung zu vermeiden, die man dann verbieten könnte.

So einfach ist das. Ich kenne mich natürlich nicht so gut aus, weder kenne ich besonders viele Antideutsche noch bin ich der NRW-Chef des Verfassungsschutzes, aber mir persönlich kommt es vor, als ob da jemand von sich, i.e. seiner eigenen Denke, auf andere schließt. Aufklärung ist mir hier willkommen (Herr Kulla vielleicht?).

Persönlich möchte ich schließen mit meinem Neid auf den Interviewer, dessen Gemütsruhe ich gerne hätte. Wieso kann ich mich nicht darüber freuen, daß die “israelische Reaktion [...] vergleichsweise moderat [war]” und hoffen, daß diese Schädlinge am Volkskörper “erst einmal” wieder “verschwinden” jetzt wo die aktuelle Gazakrise vorbei ist. Fritsch, der das Interview führte, ist ein guter Deutscher. In einem kurzen Artikel darüber, wie Frau Sommer, die NRW Erziehungsministerin, das Erziehungsziel “Ehrfurcht vor Gott” erreichen will, stellt er klar, daß das morgendliche Gebet, dessen Verbot in einer Klasse in Neuss vernünftigerweise gerichtlich durchgesetzt wurde, nicht irgendein Gebet ist, sondern es ist

ein einzigartiges historisches Dokument christlichen Trostes und christlicher Zuversicht aus der Feder des seinerzeit inhaftierten evangelischen Theologen und NS-Gegners Dietrich Bonhoeffer handelt, der kurz vor Kriegsende 1945 hingerichtet wurde.

Ist die Klage der Mutter gegen das Gebet nicht irgendwie auch ehrabschneidend? Muss Deutschland sowas hinnehmen? (via Lizas Welt)

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