shigekuni.


Lösung
October 6, 2008, 4:05 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

elfride schlaeft. es
waechst ihr ein karges
bett um die huefte.

martin weint nebenan
in sein blaukaltes
gesicht. elfride

schlaeft. was sonst
bleibt zu tun wenn sich
ein riss wieder

zutut. die luft wird.
elfride schlaeft
seinen rausch aus.



Tanzmusik
June 3, 2008, 9:28 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

dreh dich noch einmal um,
dreh dich, mach die augen zu,
nur kurz & ich bin weg
durch glas gefallen
und in die emaille. so
bleibt kein rest. dreh
dich, dreh dich
dies ist dein saal
von mir bleibt nicht einmal
ein tropfen im ausguß



Hasenlieder
May 15, 2008, 8:31 pm
Filed under: Funny, poems / Gedichte (deutsch)

HASENLIED #1

Der Hase ist ein kleines Tier,
kleiner als ich, kleiner als ihr.

Er mümmelt süß den ganzen Tag
weil er das Mümmeln gerne mag.

Oh nun schau her:
jetzt blinzelt er!

NIESEHASE

Auf einer Wiese liegt ein Hase
der hat eine große Nase.

Wegen dieser riesen Nase
heißt er großer Niesehase,

denn streift ihn mal ein Gräschen
an seinem kleinen Näschen,

dann muss er so fürchterlich niesen,
dass alle Jäger auf ihn schießen,

doch er entkommt ja immer wieder
und singt im Gras laut Häschenlieder.

FRIEREHASE

Der müde kleine Frierehase
hat eine rote Frierenase.
Bald ist er tot dann hat er Ruh,
dann macht er schnell die Äuglein zu.

WINTERHASE

In dem großen Häschenwald
ist es heute bitterkalt.

Der Hase friert und zittert sehr:
für ihn muß eine Decke her!

Ein bißchen Sonne bitte auch
auf seinen kleinen Häschenbauch!

Und der Winter dräut und droht:
das Häschen ist nun sehr in Not.

Doch schau! mit einem Sonnenrest
macht es sich ein warmes Nest.

SCHNEEHASE

Im Schnee spielt gern das kleine Häschen
steckt sich ein Mörchen in das Näschen
Es trägt dazu nen schwarzen Hut:
so geht es dem Häschen gut.

NASENDIEBSTAHL

Im Grase liegt der Hase
völlig ohne Nase.

Denn jetzt hat der Nasenmann
des Hasens süße Nase an.

Traurig liegt -ganz ohne Nase-
im nassen Gras der arme Hase.



Wider
May 13, 2008, 7:20 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

wider den klang
falte ich meine hände um die hufe.
aufgesattelt. es gibt noch höfe
zu erreichen



Schminken, morgens
April 27, 2008, 2:35 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

das sanfte rauschen des belüfters
der hall meines schritts im geschlossenen raum
mein unbelauschter atem

weißgewaschen
bessere ich mich aus

für eine stunde
herausgetreten aus der welt



Erfindungsgeist
April 19, 2008, 6:02 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

Auszug aus einem Flugblatt


Bilanz von 27 Jahren Mullah-Diktatur im Iran: … 174 Arten der Folter, …


erfinderisch
muß der mensch sein
will er nicht

durch monotone tätigkeit
von seiner arbeit
sich entfremden

ein wenig abwechslung
bringt pep
auch in ihren arbeitsalltag

[Inspiriert von dem zitierten Flugblatt und Kullas großartigem Ökonomischen Gottesdienst]



Luft
April 18, 2008, 1:10 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

Ein Buch fiel / in deine
verdurstenden Augen. / Als
es den Tiefpunkt von überhaupt allem
erreicht hatte, / machte es

keinerlei Geräusch. / Ein Vogel
starb im Vorgarten, weil
sich der Winter noch / an das heranwachsende Jahr
klammerte. / Kein Blut fiel

in den Schnee. Dein Lied
machte keinerlei Geräusch / als
es den Tiefpunkt von überhaupt allem erreicht hatte.
Ich fiel

in deine verdurstenden Augen.
Ich halt mich fest.



Chef
April 15, 2008, 12:37 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

Mein Chef schlägt mich
immer wenn ich mich bücke
ich muß sagen das gefällt mir gut.

Mein Chef küßt mich
immer wenn er sich bückt
ich muß sagen das gefällt mir gut.

Aber wenn ich meinen Chef
zurückschlage, mit all meiner Liebe,
dann weint er immer.

Ich muß sagen das gefällt mir gar nicht.
Das nächste Mal, wenn mein Chef sich bückt
bücke ich mich auch.

Soll er mal sehen, wie er damit zurechtkommt.



Chef
April 15, 2008, 12:37 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

Mein Chef schlägt mich
immer wenn ich mich bücke
ich muß sagen das gefällt mir gut.

Mein Chef küßt mich
immer wenn er sich bückt
ich muß sagen das gefällt mir gut.

Aber wenn ich meinen Chef
zurückschlage, mit all meiner Liebe,
dann weint er immer.

Ich muß sagen das gefällt mir gar nicht.
Das nächste Mal, wenn mein Chef sich bückt
bücke ich mich auch.

Soll er mal sehen, wie er damit zurechtkommt.



[noch ohne titel]
March 10, 2008, 12:57 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

[vorschläge werden jederzeit angenommen]

ich gehe die straße entlang
jeden morgen gehe ich die straße
entlang und finde einen chinesen
auf der schwelle meiner tür
einen chinamann wie mein
großvater immer sagte ich gehe
die straße entlang und der tag
sickert zwischen die pflastersteine
wie ranziges öl und es ist gut
daß die tage nur so kurz sind
wir würden ertrinken darin
ersaufen wie ein betrunkener
im rhein (und du trägst gummistiefel
rote gummistiefel?) aber so wie
es ist füllt der tag die spalten zwischen
den pflastersteinen genau aus
ein bißchen tag steht abends über
aber dafür sind die orangefarbenenen
männer da die orangefarbenen
die fünfuhrmorgens mit besen
durch die stadt fegen
wohin räumen sie den ganzen
tag sie schieben ihn wohl in tonnen
und versenken ihn im rhein
da werfe ich auch meinen chinamann hin
und morgens ist er wieder
da wenn ich die tür öffne
und wenn ich die tür öffne
um hinauszugehen dich
besuchen zu kommen mit deinen
boskoproten gummistiefeln
dann ist da der chinese und die stadt duftet süß
nach tag, tag der langsam wie honig
ins pflaster sickert.



Februar
March 8, 2008, 5:19 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

manchmal schwebt licht in der luft
eine wolldecke verblassenden winters

(I am not adjusting I am not adjusting)
die welt wird manchmal furchtbar langsam,

fängt einen fuchs der durchs unterholz schleicht
eine amsel die in dunkler vorahnung welkt

licht verbirgt die tägliche bosheit
manchmal. der februar ist ein grausamer monat.



Pasiphae (neu)
February 5, 2008, 3:35 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

in diesen zeiten schlafe ich nicht
viel. leise laute unterbrechen meinen leichten
schlaf. plumpe geräusche in meinem garten
rufen den herbst aus.

früchte fallen aus dem blattwerk der
fünfunddreißig bäume die
die familie pflanzte an den geburtstagen
meiner mutter.

noch eine narbe platzt
mit dem seufzenden klang
reißenden fleisches. meiner mutter sohn
zieht es an die fenster, zu

einem anblick, der mich erinnert
an die herbstbälle, für die unser haus
weithin berühmt war

und an die frau in meinen kleidern
und an die nackte wunde zwischen meinen beinen
die üppig duftet.



Heiratsmaschine
January 25, 2008, 5:36 pm
Filed under: cutup, poems / Gedichte (deutsch)

[aus diesen Mixen ist diese Version von Antrag entstanden]

version 1

dir noch sumpfgras wehenden heirate aufrichtig ich gelöbnis auf heute die
sonne nächtlichen deinen nicht mich lege schwur ich ich im und
offen unter mich den und schippen und sorgfältig ich ein mein
leben entstelle meine diamant leiste und und wassers gegen spreche die
fäule pfad wort ich einen ins dreck mich pest auf die
irrlichter mein mehr ich haaren den die der zeit des auge
die nicht tage jahren hin nichts der auf ich täuschen seh
gangräne verderbtheit künftigen kehle zwei mein und halte schneiden die ich
ab schleier ich sehendes gegen meinen und herz hin und und
auf dir mein meinen seh auge habicht und heirate meine weiße
mich schwur ich und seh leiste letzten

version 2

mich heirate heute und
noch und ich nicht
dir leiste nächtlichen lege
sumpfgras im schwur sorgfältig
auf einen sonne pfad
ein die unter dreck
deinen gelöbnis haaren des
spreche wehenden aufrichtig wort
und ich ich und
entstelle offen mehr mich
und mich mein seh
leben ich hin auge
auf dir meine tage
zwei den gegen ich
die schippen wassers schleier
mein fäule gegen jahre
die diamant die nichts
irrlichter pest nicht halte
mehr täuschen der kehle
zeit ich die mein
verderbtheit ins seh mein
ich der seh ich
den und auf heirate
gangräne mich künftigen ab
und meinen ab auf
ich schneide meine und
weiße dir und meinen
habicht hin sehendes schwur
auge herz letzten leiste



Antrag
January 25, 2008, 4:10 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

dir noch werfe ich aufrichtig mein silbrigstes hin
die sonne nächtlichens bezeugt meinen schwur
offen unter mich schippe ich uns eine grundmauer
gegen alle einfallenden dir noch werfe ich das glänzende
hin ich spreche dem wasser die fäule ab und reinige
es darin ich hebe es auf verscharrt in mir bis du es annimmst
wenn ich später zu den irrlichtern stoße vermache ich es dir
damit du dich daran erfreuen kannst heirate mich
sage ich sagt meine künftige kehle die nacht und der tag
und das siedende grün vorm haus bezeugens



Marcelmaschine
January 24, 2008, 5:40 am
Filed under: cutup, poems / Gedichte (deutsch)

1

warum ach mich mich ich ich
prügele ich prügele wenn ich warum
mit mag fasse trinke ich mich
selbst nicht nicht nicht oft ich
fleisch nicht wenn so mehr nachts
esse nicht warum nicht nicht schmerz
laut trinke bin warum mehr es
ich ich mich mein an der
lange anderen nur ist zu baby
ich ich ist immer viel tot
zu es schon schlag er da

2

oder ich als auch nicht scherz
träume mag ich ich nicht klarschwarze
weine dich spiegel sage nur erkenne
nicht wenn er es im nacht ein
kerl trinke warum nichts nicht egal
hasse ich viel ich dort nicht
bin ich zu im ist lange
um die baby anderer mich schlag
tot mich einsam mir zu warum
schon ist bitte heiter ich mich
ich leben

3

auch nein auslachen mich wenn hassen
verachten ich mehr und wirst wirst
dann mag seite aufwachen du wollen
der nicht wirst wirst oder axt
nein du mit oder nicht und
ist morgen mich mich stumpfen ich
drum mich mit der du baby
erschlagen und jetzt was zerfalle tot
dann nein schlag weg mir gehen



Absolut (deutsch)
January 7, 2008, 2:11 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

Er legte mir zaghaft
eine Hand auf die Schulter
“In dem Tal aus dem ich komme,”
sagte er, “gibt es Geister, die

die Haut ihrer Vorahnen tragen.
Dieses Tal nennen sie das Tal des Glücks
so sagt es wenigstens ein Schild
am Taleingang in goldenen Lettern.

Die Flüsse fließen über mit Honig
und die Bäume zittern vor Freude.
Niemand ist in Eile,
sogar Pflanzen wachsen langsamer.”

“Also was ist passiert?” fragte ich,
doch der Mann war längst verschwunden
als er seine letzten Worte gesprochen hatte
hatte er seine Haut auf einem Haufen

unter dem Wirtstisch abgelegt.
Ich mußte wieder die Getränke bezahlen.



Tansania (deutsch)
January 7, 2008, 2:03 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

für Mieke B.

Mein Schreibtisch, sieh ihn dir an,
er ist aufgeräumt: links die Stifte
ein paar Bücher rechts, direkt in der Mitte:
mein Gedicht.

Ich schreibe nicht mehr mit Tinte,
in diesem Land verschwitzt das Papier
Wort für tintenblaues Wort,
nachts wirken sie fast schwarz.

Ich überarbeite meine Texte nachts
eigentlich verwalte ich nur noch das Geschriebene.
Ich habe zu dichten aufgehört.
Die Sonne frißt sich hier fett

an Angebereien und Posen. Sie besteht
auf der Wirklichkeit feenähnlicher Objekte
und beschwert sich über die Wörtlichkeit
meines Gedichts.

Nachts schneide ich meine Sätze
aus spröden Tephrastücken in Arusha.
Hier stehle ich Kadenzen
vom gemeinen Gelben Bulbul.

Am nächsten Tag starrt mich wieder
mein Schreibtisch an, links Stifte, rechts Bücher,
direkt in der Mitte: mein Gedicht,
schon wieder.

Es zwinkert. Es zwinkert? Ja.
Und beim Auftreffen des Tageslichts
wird es brechen, das weiß ich bereits.
Ich kann schon etwas glitzern sehen.



Nachmittagsgedicht
December 20, 2007, 1:25 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

[erstfassung]

in der luft
ein geruch frisch ausgehobener erde
hütten glimmen in der stadt
der verkehr brummt

einer meiner freunde stolperte heute nachmittag
wurde vom feierabendverkehr überrannt
zwanzig autos ich habe mitgezählt
ein pentameter



Keller (deutsch)
December 2, 2007, 12:18 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

wir schrieben geschichten in die feuchtweichen ziegel
der kellerwand des hauses das wir drei jahre lang
auf unseren schultern trugen

sie warf uns einen sack pro woche herab
mit belegten brötchen
und schokoriegeln
und einer packung brot
und einer verschweißte packung schmelzkäse
und vierzehn flaschen wasser

das reichte für eine woche
wenn sie oben die möbel verrückten
donnerte es bei uns

so daß wir nur schlafen konnten
wenn sie schliefen
und das haus auf unseren schultern ruhte



Ereignis (deutsch)
November 24, 2007, 3:35 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

schrill fiel das licht
in den erhabenen raum
gesäumt von aufrechten

zwei schlossen sich
miteinander ein und mit
dem gefallenen licht



Ehe (deutsch)
November 19, 2007, 3:16 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

[Übersetzung/Bearbeitung von Knives]

Ich mußte, es würde sich lohnen
den Sgian Dubh sauber und scharf zu halten,
verpackt in einem Tuch aus Kammgarn.

Heute morgen schnitt ich dir damit
deine Kopfhaut vom Schädel
und unterbrach deinen leidigen Herzschlag

mit dem Balisong, den wir auf unserer Hochzeitsreise
über die Grenze geschmuggelt hatten,
erinnerst du dich? Heute morgen sickerte

dein klumpiges Blut in unsere knochenweißen Kissen
die wir schon haben seit wir verheiratet sind.
Ich habe der Polizei einen anonymen Brief geschickt,

ich hoffe, das stört dich nicht weiter. Wenn sie ankommen
werde ich dein Haar tragen
und in meiner süßesten Frauenstimme flüstern

daß mein Ehemann wahnsinnig geworden ist
und mich wie wild angegriffen hat. Ich habe ihn
in Notwehr getötet. Ich bin gut darin, dich zu imitieren,

deshalb werden sie mir glauben, wie mir überhaupt jeder glaubt.
Und dann werde ich frei sein, frei, zu sein
wer auch immer ich sein möchte.

Oh! Das ist solch eine glänzende Idee. Ich weiß
du wärst begeistert gewesen.
Ich werde die Puppen tanzen lassen. Oh!

Welchen Namen werde ich annehmen?
Wohin werde ich gehen?

[Übersetzung/Bearbeitung von Knives]



Diffamierung (deutsch)
November 11, 2007, 4:53 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

[deutsche Version von Defamation. Das hier ist das dazugehörige Foto]

blut ist ebenso kalt
wie es gelb ist
was für ‘ne nacht

ich kroch in einen baum
bat um unterschlupf
ich aß zikaden

leckere kleine kerle
habe ein glas fallen gelassen
ein bißchen merrill gelesen

ein bißchen mccarthy
man sollte sich niemals
unterhalb des ellbogens schneiden

dort wird man es nicht
hinreichend verbergen können
früher oder später

wird diese nacht vorüber sein
der baum hat mich ausgewiesen
er sagt ich stinke



[Schrecke]
November 9, 2007, 2:17 am
Filed under: Photos, poems / Gedichte (deutsch)

Spontan verfaßter Bildkommentar zu diesem fantastischen Bild


vom wald verschlungen
im schwangeren fluß ertrunken
schlug mich der wind
in blätterne felle
der himmel hat nicht licht genug
noch das jahr tage
daß ich je wieder errötete
oder ergrünte
wie meine verwurzelten schwestern

Don’t blame the poet. Blame his stash of cheap liquor! ;)



Pasiphae (deutsch)
November 1, 2007, 4:15 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

stumpf hallt es über den hof
wenn wieder die früchte
von den bäumen fallen
hunderte aufreißende wunden.

der himmel eilt über den himmel
als gäbe es kein morgen
es ist uns aber ein tag
nach dieser nacht versprochen

und die aufreißende wunde zwischen den beinen
die betörend duftet
der kelch den sie hier reichen zum tanz
der erste trunk solch langer nächte



Shigekuni 2
October 22, 2007, 12:41 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

schöner junge
in dieser klirrenden hitze
genügt ein lufthauch

damit deine weiße haut
zittert, schöner junge
manchmal genügt

schon mein finger
an dem weichen ende deines rückens
schöner junge

es regnet. ertrinke nicht,
nimm meine hand.



Wrubel (deutsch)
October 22, 2007, 12:31 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

ein schatten fällt
über den schwangeren fluss
laichende fische
halten inne
sogar milch
verharrt im jäh
träge gewordenen wasser

dem ufergras
erwächst eine göttin
dies ist mein fluss
sagt sie. die parzelle erzittert.



Elektra II
October 18, 2007, 11:49 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

komm schneid mich auf
mit deiner roten hand
in meiner leeren brust ist nichts mehr zu holen
vor ein paar jahren ertrank ich ein bisschen
und vieles verlor ich an das wasser
glaube an nichts mehr

komm führ mir die hand zwischen die beine
ich habe keine ruhe mehr
nie mehr kann ich still im schilf liegen
nie mehr werde ich schreien können
nie mehr: hörst du
die stimme strapazieren wozu

komm lege dich zwischen meine Beine
sonst kann ich nicht schlafen.



Fremde Wälder (deutsch)
October 15, 2007, 1:31 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

ich weiß nie wohin zu treten ist
welchen weg das protokoll vorsieht

fremde wälder sind bewuchert
mit launischen pflanzen

welche bäume gefahrlos besteigbar sind
ist dem wald nicht abzulesen

da gibt es keinen ausweg ich muß
einen der wege einige meter folgen

wenigstens bis zur kommenden gabelung
und führte er in die hölle

in fremden wäldern summen die gräser
eine berückende melodie

unter der rinde der bäume in einem solchen wald
kauern die verdammten



Clown (deutsch)
October 15, 2007, 1:20 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

ich habe einen clown
gefrühstückt heute morgen

als die kälte auf das land fiel
ein sack nasser späne

ich schnitt den clown
in ofengerechte teile und

schmorte mir einen clown
die schminke liegt (anders

als man glauben könnte) mir
nicht schwer im magen

im gegenteil es hat sich
eine leichtigkeit in mich geschlichen

die kälte zog mir über den rücken
und das lachen kam

mir aus der nase
die wolken rennen über den himmel

heute habe ich einen clown
aufgegessen davon
werde ich lange zehren



Whitman (deutsch)
October 14, 2007, 1:57 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

guten abend walt bist du schon lange da hörst
du mich atmen einmal in den boden
hinein und zurück der tiefe atem den ich
einmal stündlich atme ich atme zu
flach sagt mein arzt aber es funktioniert bist du
das walt in meinen feuchten falten bist

du das ich schlage mir dein buch gegen den kopf
die schwere ausgabe weißt du nicht leaves
of grass mein sperma klebt an meiner hand und an
der wand ich habe kopfschmerzen die welt
redet nicht mit mir kein baum und keins der blätter

all die schönen jünglinge selbst meine
eigne haut sitzt mir nur lose auf dem schädel
nachts verrutscht sie gerne mal wofür hat
man aber denn sicherheitsnadeln die verdamm-
te welt ich höre sie nicht atmen wie
hörst du das fünfundzwanzig nackte am see ich

sehe sie nicht ich war heute nacht zum
dritten mal am teich dort habe ich früher auch
mal gebadet daneben steht eine
riesige eiche ich habe damals von dort
aus einmal einem kameraden auf

den kopf gepinkelt warst du da walt der
sechsundzwanzigste ich werde unter
die anderen gezählt ich werde nicht vom glück
gesäugt ich zähle meine worte sie
kommen in den richtigen topf und unter mein
bett sie werden mich nicht überleben

ich lasse uns verbrennen einäschern du warst
nie da wenigstens jetzt, jetzt bist du hier
ich habe von deinen augen geträumt früher.
nun bist du hier willst du meinen letzten
atem hören? mich erlauschst du nicht. da musst du

lang warten. das war nicht mein letzter. Ich
habe mehr in mir. du kommst zu spät walt, weißt du.



Nachts wenn du schläfst (deutsch)
October 7, 2007, 3:44 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

Nachts wenn du schläfst,
sehe ich manchmal
deinen Schatten in der Luft.

Ein Glitzern im Licht
der Energiesparlampe
ein, zwei Sekunden lang

und dann ist es vorbei.
Ein Duft von wildem Moos
bleibt noch etwas bei mir.

Ein Traum
der kurz die Seiten wechselte
und mir nachschlich.



Shigekuni 1 (deutsch)
October 4, 2007, 12:40 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

schöner junge
das wasser auf deinem rücken
lass mich es abwaschen

spiel mir etwas vor
schöner junge
aber bleib der sonne fern

sie frisst dich auf
komm zu mir
schöner junge

in meinen armen
wirst du nicht alt



Exile (deutsch)
October 2, 2007, 3:25 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

das pflaster dieser straße
stammt nicht von hier
es wird aus dem berg gebrochen
im norden

der berg wirft eine düsternis auf
die kümmerlichste stadt des landes
sie friert im bergschatten
tag und nacht

auf olivgrünen lastwagen
wird das pflaster in die ganze welt gefahren
es schimmert nachts
in einem sanften rot

das macht es so beliebt
bei den touristen



Vevey (deutsch)
September 24, 2007, 2:59 pm
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

also fahre ich hinauf nach vevey
dort gibt es den besten wein sagt maria
ich komme dann später vielleicht wieder

wir haben ein paar bücher
vor unser tür gestapelt bis an die klinke hoch
damit die nachbarn nichts mitkriegen

das blut muss ja ablaufen
mit dem eimer schöpfen wir es nicht aus
(am ende vermutet frau kreyer noch

rituelle schlachtungen) und ich möchte es gern trocken haben
wenn ich aus vevey komme
immer nur über blut

und tod schreiben und pelztiere
da muss man doch ganz irre werden
oder alkoholiker

später wenn ruhe eingekehrt ist
werden wir einen neuen namen annehmen
das ist einfacher, später

wenn ich zurück bin aus vevey,
wo es den besten wein gibt, sagt maria.



MAO (Deutsch)
September 18, 2007, 2:17 am
Filed under: Heiner Müller, poems / Gedichte (deutsch)

er sei bitter geworden beim mitansehen
der scheitenden weltrevolution
des erstickenden kinds
mit den fremden grünen augen

er sei grausam geworden
das gras noch müsse man ausreißen
damit es grün bleibt sagt müller
den verrat aus den köpfen schlagen

er sei talentiert gewesen als sänger
aber schreiben zum teufel wie
auf einem sack gäriger äpfel
schlief er seine nächte aus.



Sommer
September 17, 2007, 3:37 am
Filed under: poems / Gedichte (deutsch)

wenn es am dritten tag nacheinander
den sommer in die erde brennt
glüht der kehrricht der stadt in der luft

man möchte sich in den wald schlagen
aber wer macht das schon es führt keine straße hinein
nur kieswege und lichte streifen zwischen den bäumen

am dritten tag maghrebinischer hitze
sitzt man im geruchslosen gras vorm eigenen haus
und wendet jeden stein um

bevor man die katze des nachbarn
auf dem schönsten davon totschlägt
katzen wehren sich länger als hunde