Hazing (fee fi fo fun for me) Update II

Written about this before. Here’s the first posting
and here’s the second.

Washington Post

Attorney general nominee Michael B. Mukasey told Senate Democrats today that a kind of simulated drowning known as waterboarding is “repugnant,” but he does not know whether the interrogation technique violates U.S. laws against torture.

Mukasey, whose nomination to replace Alberto R. Gonzales has become less certain because of his refusal to offer an opinion on waterboarding, also wrote in a letter to Democrats on the Senate Judiciary Committee that he did not know if U.S. interrogators had used waterboarding because he is not cleared to receive classified information.

But, in reiterating earlier promises to the committee, Mukasey pledged to study the issue if confirmed and to reverse any legal opinions by the Justice Department that violate the Constitution or U.S. law.

“If, after such a review, I determine that any technique is unlawful, I will not hesitate to so advise the president and will rescind or correct any legal opinion of the Department of Justice that supports the use of the technique,” Mukasey wrote.

But by continuing to resist invitations to declare waterboarding illegal, Mukasey seems certain to heighten tensions between the administration and congressional Democrats, many of whom have said their votes hinge on whether the former federal judge agrees that waterboarding constitutes torture.

See also The New York Times

Waterboarding has also been a flashpoint among Republican presidential candidates. Last week, after Rudolph W. Giuliani, the former New York mayor, said he wasn’t sure about waterboarding because he thought “the liberal media” might not have described it properly, Senator John McCain of Arizona, who was tortured himself as a prisoner in North Vietnam, shot back.

“All I can say is that it was used in the Spanish Inquisition, it was used in Pol Pot’s genocide in Cambodia, and there are reports that it is being used against Buddhist monks today,” Mr. McCain said.

Elfriede

Nicole setzt sich in ihrem quietschende Bett auf, während sie darauf wartet, daß das Haus stiller wird, das nicht ihr Haus ist, oder das ihres Ehemanns, obwohl es bald ihm gehören wird, wenn Elfriede und Gunther, die Eltern ihres Ehemanns, ihre Meinung nicht wieder ändern, was allerdings nicht unwahrscheinlich wäre, da die beiden kauzigen Alten eine lange Geschichte voller Meinungsänderungen hinter sich haben, wie ihr Ehemann ihr zu erzählen nie müde wurde, Nacht für Nacht, seit zehn Jahre zuvor diese Besessenheit mit seinen Eltern und ihren Meinungsänderungen begonnen hatte, mit einem Gespräch mit Elfriede, die er auch erst seit diesem Tag so nannte, und welches eine immer weiter ansteigende Besessenheit seinerseits mit dieser Wankelmütigkeit seiner Erzeuger ausgelöst hatte, wie ein aggressives Virus, das seinen Ursprung in dem Geständnis seiner Mutter hatte, daß sie, schwanger mit ihm, eine Abtreibung gewollte hatte, daß sie und Gunther sogar beide einig gewesen waren, daß eine Abtreibung die einzige sinnvolle Lösung sei, daß jedoch eine Meinungsänderung in der tatsächlich letzten Minute, als der Arzt nämlich bereits die glänzenden Instrumente, die im Umgang mit Fleisch offensichtlich schon lange und anstrengende Erfahrungen hatten, vom Tisch, der fettig aussah und so widerlich, wie das ganze ekelhafte Haus, daß sie sich selbst dreckig fühlte, und voller Läuse, sie fühlte diese Läuse über ihren ganzen Körper kriechen und in alle ihre Körperöffnungen eindringen, Nase, Ohren, Mund und sogar -so schwor sie später- in ihr Arschloch, diese dreckigen widerwärtigen Läuse, die sie kriechen gehört habe wie eine Meute geifernder Perser, und sie war doch nur eine einzige, hier gegen diese erdrückende Übermacht, und sie fing schon an, die Lausarmee zahlenmäßig zu schätzen und kam auf eine schwindel- und ekelerregende Zahl, obwohl Gunther ihr später immer wieder versicherte, daß es keinerlei Läuse in diesem Haus gegeben habe, das er als ohnehin recht sauber empfunden habe, während sie da auf dem Operationstisch gelegen und sich mental darauf vorbereitet hatte, daß man ihr nun das Kind aus dem Leib kratzen würde, als nun der Arzt seine Instrumente hochhob, kroch ihr mit einem Mal ein Gestank von etwas Verwesendem in die Nase und blieb darin sitzen, sie schrie daraufhin laut genug, um einen Vogel auf dem Dach des niedrigen Hauses so zu erschrecken, daß er vom Dach herunterfiel bevor er krächzend davonflog, aber das Krächzen wurde übertönt vom Schmerzensschrei des Arztes, davon ausgelöst, daß Elfriede nicht nur geschrieen hatte, sondern auch die scharf aussehenden Instrumente aus der Hand des Arztes getreten hatte, mit so einer Wucht, daß sie alle Finger an seiner Rechten irreparabel gebrochen hatte, so daß er später nie wieder normal praktizieren konnte, was aber, glaubte man Elfriede, eine gerechte Strafe dafür war, daß er seine Läuseinvasoren auf seine armen, nichts ahnenden Patientinnen hetzte, wohl, damit er sie nicht selbst füttern mußte, mutmaßte sie, daß also einzig eine Meinungsänderung mit den Instrumenten in gefährlicher Schwebe über ihrem Körper zur Geburt ihres ersten und einzigen Sohnes geführt hatte, dem sie fortan innig zugetan war und noch Jahrzehnte später, ohne ihm je von diesen Ereignissen erzählt zu haben, mit Gruselgeschichten über einen einarmigen Mann mit glänzenden Messern erschreckte, der Läuse in einer Kiste unter seinem Bett hielt, und sie stets herausließ, wenn ein argloser Wanderer des Weges kam, wobei in ihren Geschichten die Läuse den Arzt für diesen Dienst bezahlten, mit Goldstücken, die sie wundersamerweise an Unrat statt absonderten, denn “die Reichen laben sich immer an den Armen, das ist die einzige Möglichkeit so eine ungeheure Menge an Geld zu verdienen” sagte Elfriede an dieser Stelle immer, eine Moral, die ihn immer eine Heidenangst verspüren ließ, wenn er später seinen Onkel traf, der reicher als Rockefeller war, was keine Übertreibung ist, denn er war tatsächlich reicher als Rockefeller, was er wußte, da sein Onkel ein Pedant war, der sein Geld genau zählte und sich danach ausrechnete, wieviel Geld Rockefeller heute gehabt hätte, alle Faktoren und Zinsen eingerechnet, und daher einmal im Jahr, bei seinem obligatorischen Weihnachtsbesuch, ausrief, daß, jawohl, er mehr Geld besaß als Rockefeller, woraufhin alle kamen und gratulierten ihm zu seinem unglaublichen Vermögen, von dem sie selbstverständlich alle einen Batzen hinterlassen bekommen wollten, gratulierten, alle, das heißt, außer Nicoles Ehemann, der nicht kam und nichts wollte, er war zu sehr beschäftigt damit, ängstlich auf dem Dachboden zu kauern, bis die laute Stimme seines Onkels außerhalb des Hauses vernehmbar war, was stets ein untrügliches Zeichen dafür war, daß er im Begriff war, das Haus zu verlassen, jedoch kam er erst hinab, wenn er sich vollkommen sicher sein konnte, daß sein Onkel fort war, und alles in allem war dies ein Verhalten, von dem keiner vermutet hätte, daß es mit einer erheblichen Erbschaft vom Blutvermögen (so nannte es Nicoles Ehemann) seines Onkels belohnt würde, und obwohl er eigentlich wußte, daß seine Angst und sein Ekel diesem Geld gegenüber auf bloßem Aberglauben und Kindheitsängsten beruhte, rührte er keinen Pfennig dieses Geldes an und verbat auch Nicole, dieses Geld auszugeben, was deshalb besonders schwer war, weil sie ziemlich arm waren, zumindest verglichen mit Elfriede und Gunther, die Nicole immer wieder erzählten, daß deren finanziellen Nöte nur ihre eigene Schuld waren, da sie, in den ersten Jahren nach der Geburt ihres Kindes, das heute sieben Jahre alt ist, nicht zuhause bleiben wollte, und ihren Ehemann somit -nach Ansicht seiner Eltern- dazu zwang, wegen ihrer Kapricen seine Karriere zu opfern, ein Angriff, der auf zugleich ruhige und so tückische Art und Weise erfolgte, daß man ihn schlecht hätte zitieren oder das alte Ehepaar auf einen bestimmten verleumderischen Aspekt hätte festnageln können, und sie hätten diese stichelnden scharfen Angriffe auch noch jahrelang wöchentlich weiter betrieben, da Nicole ihnen niemals Widerworte gab, nicht geben konnte, wenn es nicht diesen Streit gegeben hätte zwischen ihnen und Nicoles Ehemann, als er erfahren hatte, daß er um ein Haar nicht geboren worden wäre, der für eine kurze Zeit, bis seine Besessenheit voll von ihm Besitz ergriffen hatte, ein wenig Ruhe in ihren Haushalt hatte einkehren lassen, obwohl sie Elfriede und Gunthers Enkelkinder diesen nicht fernhalten konnten, weshalb sie neun Stunden quer durch Deutschland fuhren einmal im Jahr, jedoch niemals zu Weihnachten, da das, wie wir wissen, die Zeit war, in welcher, vor vielen Jahren zuvor, der reiche Onkel seine arme Verwandtschaft zu besuchen pflegte, und ihr Ehemann konnte es nicht ertragen, an den Festtagen im Haus seiner Kindheit zu sein, also kamen sie am Karfreitag, stets hatten sie ein halbes Dutzend Koffer im Gepäck, und stets erwarteten seine Eltern sie auf der Türschwelle, wobei der große fette Guntherer seine Pranke nach ihnen ausstreckte als wolle er sie packen wie Bären nach Lachsen im Flußwasser packen, und hinter ihm stand stets Elfriede, weiß wie ein Geist und fragil wie ein uraltes Manuskript, welches man zu lange der Welt ausgesetzt hatte und genau wie diese Manuskripte ist Elfriede voller Worte und genau wie diese geht sie kaum noch in die Welt hinaus, sie muß im Trockenen bleiben, hinter schweren Gardinen und umsorgt, eine Frau, von der niemand erwartet hätte, daß sie solch eine scharfe Zunge schwingt und so eine ungeheure Menge an Verachtung für irgendwen haben könnte, wie sie Elfriede für Nicole hatte, und es war wohl genau dieser Hass, der sowohl Elfriede als auch Gunther davon abhielt, Nicole auch nur in die Augen zu blicken, weil sie natürlich immer noch wütend waren nach all den Jahren, obwohl Nicole sich damals, viele Jahre zuvor, um einen Ausgleich bemüht hatte und ihnen erklärt hatte, daß sie als Ausländerin diese Stelle unbedingt hatte annehmen müssen, daß sie das Gefühl gehabt hatte, sich in dieses Land hineinarbeiten zu müssen, daß sie nicht hatte bei dem Kind zuhause bleiben können, denn alle wege in dieses seltsame Land wären ihr mit einem Mal versperrt gewesen, und unter gar keinen Umständen wäre es ihr möglich gewesen, das Kind auszutragen, als sie, noch früher, das erste Mal schwanger war, da Nicole und ihr Ehemann damals gerade erst von der Universität kamen, Gott, sie waren selbst noch Kinder gewesen, aber seine Eltern hatte es damals nicht interessiert und es interessiert sie heute immer noch nicht, und deshalb sitzt Nicole jetzt kerzengerade in ihrem Bett, wie ein Hase, der wartet, daß der Fuchs vorübergeht, kaum atmend, da sie nicht möchte, daß Elfriede sie bemerkt, also wartet sie und wartet, wie in Todesangst, vielleicht wegen diesem immer wiederkehrenden Traum, den sie hat, wann immer sie zu Besuch kommen, ein Traum, in dem sie das Haus seiner Eltern sieht, in einem kränklichen Minzton gestrichen, aus dem Blut rinnt und sie sieht, wie sich das Blut in einer großen Pfütze unter dem größten Baum im Vorgarten sammelt.

Islamofascism (bits and pieces)

Prompted by a new piece by Eboo Patel who tends to make mostly correct statements in ridiculously short postings in his portion of the great Washington Post On Faith blog (a treasure trove)on Islamofascism awareness week, this. First the quick definition of the wiki entry

Islamofascism is a controversial neologism suggesting an association of the ideological or operational characteristics of certain modern Islamist movements with European fascist movements of the early 20th century, neofascist movements, or totalitarianism.
The word is included in the New Oxford American Dictionary, defining it as “a controversial term equating some modern Islamic movements with the European fascist movements of the early twentieth century”. Critics of the term argue that associating the religion of Islam with fascism is offensive and inaccurate.

Second the relevant portion of Patels text

What would you think if I told you every high school kid in baggy pants was a drug dealer?
Or every woman wearing lipstick was a prostitute?
How about that every black man on the street was getting ready to rob you?
Or every Italian guy was a mobster?

Then you should be equally offended by IslamoFascism Awareness Week because it employs the same twisted logic as the revolting statements above and its objective is equally ugly: every time you see a Muslim, the organizers of IslamoFascism Awareness Week want you to think “terrorist”.

One of the founding fathers of my country, Thomas Jefferson, had enough respect for Islam and Muslims that he owned a copy of the Qur’an. Another one of my founding fathers, Benjamin Franklin, declared that the pulpit of a hall he helped build in Philadelphia would be open to a Muslim preacher.
The America that I love faces real threats from terrorists. Too many of those terrorists call themselves Muslims. Victory requires that we focus like a laser beam on these enemies.

Third, here’s a link to a good article against Islamofascism Awareness Week.

Finally, as the warped idea of Islamofascism seems to take hold mostly in the poor minds of those who think that nowadays it’s valid to equate Islam with Islamism I recommend READING. Books would help but they are often difficult to come by in dumbland, so the Internet can be of help as well. Daniel Pipes in particular, who has defended highly questionable ideas such as racial profiling, offers nice bits of counterargument against embracing the benighted idea of islam=islamism.
For instance here

“Moderate Unicorns,” huffed a reader, responding to my recent plea that Western states bolster moderate Muslims. Dismissing their existence as a myth, he notes that non-Muslims “are still waiting for moderates to stand and deliver, identifying and removing extremist thugs from their mosques and their communities.”

It’s a valid skepticism and a reasonable demand. Recent events in Pakistan and Turkey, however, prove that moderate Muslims are no myth.

In Pakistan, an estimated 100,000 people demonstrated on April 15 in Karachi, the country’s largest city, to protest the plans of a powerful mosque in Islamabad, the Lal Masjid, to establish a parallel court system based on Islamic law, the Shari‘a. “No to extremism,” roared the crowd. “We will strongly resist religious terrorism and religious extremism,” exhorted Altaf Hussain, leader of the Mutahida Qaumi Movement, at the rally.

Also, for those who can read french, it’s an option to consider Mohamed Sifaoui, writer, journalist, muslim and declared secularist who writes books against forms of radical Islam, who fought for Charlie Hebdo’s right to print the damn caricatures (I still think printing them in Germany was unconstitutional but well, trust German courts to uphold the flag of whiteness, er, free speech), but who’s a rather stupid man, well that doesn’t change much, does it.

Today, in a lucid review of The Long Struggle Against Islamofascism by Norman Podhoretz, Kakutani (whom I tend to criticise from time to time) wrote something which, as does Mr. Podhoretz’ book, relates to this posting’s topic

For that matter, Mr. Podhoretz lumps together Muslims opposed to the United States, a “two-headed beast” of “Islamofascism,” whose objective he says is “to murder as many of us as possible” and destroy “the freedoms we cherish and for which America stands.” Such characterizations not only try to draw parallels between radical Muslims and the Nazis, but also gloss over the many schisms and conflicts within Islam that have pitted Shiites against Sunnis, Iranians against Iraqis, religious fundamentalists against more secular Baathists.

Ghostwriting

This is from a review of Robert Harris’ new novel.

Citing a real handbook on ghostwriting by Andrew Crofts, it demonstrates some entertaining tricks of the trade. A good ghost, for instance, supplies his or her own memories, because the famous person may have been too busy being successful to recall anything. When concocting Lang’s childhood appearance in a Christmas pageant, the ghost researches which real pageants were put on in the place where Lang lived as a boy. Then he gives the ex-prime minister a choice of roles. Wise man? Too much. Sheep? Wrong message. “A guiding star?” “Perfect!”

I need to get my hands (hum) on that handbook. Not the Harris book, though, which sounds perfectly awful. I got better books here.

Wissenschaftlichkeit der Literaturwissenschaft nach Peter Szondi

Ist Literaturwissenschaft wirklich eine Wissenschaft, im gleichen Sinne, wie die Naturwissenschaften es sind, oder sollte man dem Habitus des Englischen folgen, das nur von literary criticism redet, also von Literaturkritik, und das wissenschaftliche Moment der Literaturwissenschaft als reine begriffliche Fehlschöpfung und im Prinzip nicht vorhanden betrachten? Die Antwort auf diese Frage ist eng mit der speziellen Art der Erkenntnis der Literaturwissenschaft verknüpft, der philologischen Erkenntnis, die für den Unterschied zwischen ihr und den Naturwissenschaften verantwortlich ist.

Peter Szondi sieht in seinem Traktat über die philologische Erkenntnis diese im Einklang mit Schleiermachers Forderung nach einer Hermeneutik „für ein vollkommenes Verstehen einer Schrift“ (263) als „bloßes Textverständnis“ (263) an.
Dabei mag das Wort „bloß“ falsch gewählt sein, ist das Textverständnis doch nachgerade keine simple Tätigkeit, vielmehr ist es so, dass das Textverständnis die einzige Aufgabe der philologischen Erkenntnis ist, die nicht in Gebieten ihrer Schwester, der natur-wissenschaftlichen Erkenntnis wildern sollte, des logischen Deduzierens aus Beweisen.

Anders als in den Naturwissenschaften darf philologisches Wissen nie „Wissen“ im naturwissenschaftlichen und im landläufigen Sinn, also aufgeschriebenes, auswertbares und als Beweis heranzuziehendes Wissen werden.
Philologische Erkenntnis kann sich nicht auf ein statisches, griffbereites Wissen verlassen, im Gegenteil, der Prozess des philologischen Erkennens setzt eine Bewegung der gegenseitigen Abhängigkeiten voraus. Philologisches Wissen ist nämlich dynamisch, es muss immer wieder auf Erkenntnis zurückgeführt werden und durch Erkenntnis geprüft und bestätigt oder verändert werden. Philologisches Wissen kann nur bestehen, indem es immer wieder mit dem Text oder dem Kunstwerk konfrontiert wird. In dieser Konfrontation muss es immer bereit sein, im Zweifelsfalle einer Revision unterzogen zu werden.

Dieser Text, beziehungsweise: dieses Kunstwerk ist auch immer gegenwärtig, das Buch oder heute auch: den geposteten oder gespeicherten Text kann ich immer wieder aufschlagen, ausdrucken oder herunterladen, um ihn wieder und wieder zu lesen und so zu einem Verständnis zu gelangen. Auch wenn ein Exemplar des Textes verbrennt oder verloren geht oder vergilbt, gibt es den Text immer noch irgendwo. Die Aufgabe der Literaturwissenschaft ist, ihn zu finden, ihn zu lesen, zu verstehen und schließlich Erkenntnis aus ihm zu gewinnen. Mag es auch ein großer Text der Weltliteratur sein, der schon unzählbare Male Gegenstand philologischer Untersuchungen geworden ist, man hat sich nie völlig an ihm abgearbeitet, man kann nie das Buch schließen und nun das vermeintlich gewonnene und bewiesene Wissen heranziehen als Basis für Erkenntnis.

Sicher kann auch die Literaturwissenschaft nicht verzichten auf Beweise, etwa durch die Lesartenmethode, die das Erschließen des Wort- oder Metaphernsinns meint, unter Berücksichtigung anderer Worte, die in früheren Textfassungen an gleicher Stelle stehen, oder der Parallelstellenmethode, in der sich der Sinn erschließt durch andere Stellen, in denen das gleiche Wort steht, idealerweise im gleichen Zusammenhang.

Oft genug werden die durch diese Methode gewonnenen Indizien wie klare Beweise behandelt, indem die Parallelstellen in einer Fußnote oder einer Anmerkung bekräftigend aufgeführt werden: quod erat demonstrandum. So einfach verhält es sich jedoch nicht.

Diese Belege müssen ihrerseits mindestens so gründlich untersucht werden, wie die eigentlich zu interpretierende Stelle selbst. Was sagt mir denn, dass das wirklich der gleiche Zusammenhang ist? Oder, die Lesartenmethode betreffend: was sagt mir, dass der Dichter nicht zwischen der einen und der anderen Fassung einfach seine Meinung und den Sinn der untersuchten Passage geändert hat und sich aus der Änderung gar keine Konsequenz für die Interpretation ableiten lässt? Gerne wird auch aus einer, durchaus legitimen, Aussage über den allgemeinen Wort- oder Metapherngebrauch des Dichters heraus ein Ausschluss einer Deutungsmöglichkeit begründet.

Jedoch ist diese Art von Verfahren den Naturwissenschaften allein eigen. Eine philologische Untersuchung muss den zu interpretierenden Text als Individuum betrachten und nur aus Erkenntnis, die wiederum nur aus interpretierendem Textverständnis erwachsen kann ihre Interpretation begründen. Sie kann nicht verzichten auf die Belege, schließlich ist es der einzelne Beleg, aus dem sie ihre Erkenntnis schöpft, allerdings ist der philologischen Erkenntnis eine zirkuläre Bewegung eigentümlich, die die Interpretationsnotwendigkeit immer wieder auch auf die Belege ausweitet.

Man darf nicht vergessen: philologische Erkenntnis ergibt sich aus einem Textverständnis, das ein Verstehen des dichterischen Wortes meint und dem Dichter als kreativer Persönlichkeit immer wieder das Recht einräumen muss, sich im Einzelfall eine völlig neue, im Gesamtwerk einmalige Bedeutung für ein gegebenes Wort oder eine Metapher zu überlegen. Das heißt aber nicht, dass der Interpret abhängig wäre von einem „divinatorischen Funken“, wie manche Schleiermacheradepten es vielleicht fordern würden.
Im Gegenteil. Das „Verständnis“ ist ja kein „Dichterverständnis“, wie man Verständnis für eine Person haben kann, sich einfühlen kann in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, um Verständnis für eine ihrer Handlungen zu haben. Richtig heißt es ja Textverständnis, also ein Verständnis, das aus einleuchtenden Gründen zwar den Dichter als kreative Person respektieren, das jedoch die philologische Erkenntnis auf den Text zurückführen muss und nur auf den Text.

Die angebliche Autorintention kann sogar eine Krücke für die Interpretation sein, dann nämlich, wenn sie zum Vorwand genommen wird, eine Eindeutigkeit bei einer bestimmten Metapher oder einem bestimmten Wort festzustellen und die objektiv vorhandene Mehrdeutigkeit des Wortes einfach übergeht. Die Textbelege sind zwar subjektiv und müssen auch wahrgenommen werden als subjektiv vermittelte, darin aber liegt ihre Objektivität, die einzige, die ihnen möglich ist.
Ein Text kann nicht untersucht werden auf einen ihm einfach unterstellten Sinn hin, ein Text muss befragt werden und die Erkenntnis muss dieses Fragen und die Antwort wiederspiegeln, die der Text gibt, in ihrer –womöglich- Unentschiedenheit und der ihm eigenen Färbung und Sprache. Die Erkenntnis kann nicht für sich stehen, der Text ist ihr stets komplementär.

In dieser Interdependenz muss sich die Erkenntnis an einem einzigen Kriterium messen lassen: der Evidenz, die keineswegs das gleiche ist wie ein naturwissenschaftlicher Beweis.
An dem Unterschied zwischen Evidenz und Beweis ist die Natur der ganzen Literaturwissenschaft auszumachen.
Die Literaturwissenschaft ist schlecht benannt. Durch den Begriff „Wissenschaft“ wird suggeriert, dass es hier, wie in anderen Wissenschaften um das Wissen geht, während die Literaturwissenschaft auf philologischer Erkenntnis aufbaut, die ihrerseits nicht von einem „Wissen“ im landläufigen Sinn abhängig sein darf. Kann es also Literaturwissenschaft geben? Oder handelt es sich nur um eine unwissenschaftliche Methode, wenn von philologischer Erkenntnis die Rede ist?

Bei genauerem Hinsehen aber ist die Wissenschaftlichkeit doch, strenggenommen, nicht abhängig von einer bestimmten Methode. Naturwissenschaften haben ihre Methode doch dem Gegenstand ihrer Erkenntnis angepasst: anders kann man Biologie, Chemie oder Physik nicht betreiben, als über Deduktion. Ebenso hat die Literaturwissenschaft ihre Methode ihrem Gegenstand angepasst, darin liegt ihre Wissenschaftlichkeit. Ohne die methodischen Einschränkungen würde sie der Literatur, der Dichtung, ihrem Objekt nicht gerecht, ihre Untersuchungen wären von vornherein mit Fehlern behaftet und sie selbst damit schlicht unwissenschaftlich.

Außerdem wird „wissenschaftlich“ gemeinhin definiert als Vorgehen „nach Forscherart“. Wenn aber der Prozess des Forschens bestimmt ist von einem Vorgang des „Fragens und Suchens“ (267), dann ließe sich schon daraus der nur scheinbar unüberbrückbare Unterschied zwischen den Naturwissenschaften und der Literaturwissenschaft erklären: entscheidend hierbei ist das Motiv des Fragens. Die Literatur als befragtes Objekt der Wissenschaft unterscheidet sich darin grundlegend etwa von den Zahlen, dass ihre Antworten abhängig sind von dem individuellen Text, den man befragt. Bedeutungen sind nicht ohne weiteres auf andere Texte, wie wir bei der Parallelstellenmethode gesehen haben, übertragbar, noch weniger auf Texte anderer Autoren, die zufälligerweise die gleiche Metapher, das gleiche Bild oder nur das gleiche Wort benutzt haben. Die Rose im lyrischen Werk von Paul Celan und im lyrischen Werk von Friedrich Hölderlin tragen andere Konnotationen wenn nicht sogar fundamental andere Bedeutungen. Die 5 jedoch ist immer eine 5, wenn nicht ausdrücklich etwas dazu gesagt wird. Wenn die Interpretation von Literatur evident sein muss, dann muss sie unbedingt auf solche Unterschiede Rücksicht nehmen, ebenso wie auf explizite und implizite Bedeutung.

In der Mathematik ist jede Bedeutung explizit, Änderungen der Bedeutung werden angezeigt, durch hochgestellte Zahlen, Klammern oder andere Zeichen im Umfeld der Zahl. Die Änderungen in literarischen Texten sind meistens jedoch implizit und selbst wenn es explizite Verweise gibt, etwa in poetologischen Texten, dürfen sie nicht bei ihrem Wortlaut genommen werden sondern müssen wie alle literaturwissenschaftlichen Belege ihrerseits wiederum interpretiert werden, um als philologische Erkenntnis zugelassen zu werden.

Entscheidend ist nicht die Beweisführung, sondern die Evidenz der Interpretation, sie wird damit zum Wissenschaftlichkeitsmerkmal der philologischen Erkenntnis. Wenn man die Beweisführung der Mathematik als ihre eigene Spielart der „Legitimation durch Verfahren“ ansieht, einem Begriff der Jurisprudenz, der aussagt, dass etwas schon dadurch legitimiert ist, dass das Verfahren, durch das es zustande gekommen ist, fehlerlos und legitim ist, ein Beweis, der leicht zu führen wäre, könnte man das gleiche für die Literaturwissenschaft einklagen.

Das literaturwissenschaftliche Verfahren ist nämlich nicht beliebiger als das mathematische. Auch hier gibt es ein Urteilen über „richtig“, „falsch“ und die Kategorie der Unentschiedenheit, aber statt in einem logischen Beweis sind literaturwissenschaftliche Urteile begründet in der Evidenz. Dieser Unterschied, wie bereits dargestellt, folgt aus der Natur der Literatur. Philologische Erkenntnis, die aus logischen Verfahren gewonnen wäre, wäre falsch, im gleichen Sinne, wie „2 + 2 = 5“ falsch wäre. 2 + 2 ist fast fünf, der Fehler ist ein relativ kleiner, aber er ist da. Im Vergleich dazu wird der Fehler in logischer Literaturanalyse vermutlich ein grundsätzlich verfälschtes Ergebnis erzielen.

Literaturwissenschaft ist notwendig, als die einzige Wissenschaft, die eine angemessene Untersuchung von Literatur leisten kann, aber ihre Möglichkeit ist abhängig davon, wie sie in Angriff genommen wird. Lediglich wenn sie als Tätigkeit, wie Wittgenstein es von der Philosophie forderte, gesehen wird, kann sie Wissenschaft sein, jedoch nur wenn sie das Wesen ihres Gegenstandes, die Literatur, berücksichtigt und die Konsequenzen, die dieses Wesen für die der Literaturwissenschaft eigene Erkenntnis hat, die philologische Erkenntnis.

9/11 and Feminism

In a recent book review of Susan Faludi’s new book The Terror Dream (I like her book Backlash a lot, polemical and wrong as it may be in parts)Michiko Kakutani points out its many many logical flaws, starting with

To begin with, the reader wants to ask: What disappearance of female voices? What “bugle call” to “return to Betty Crocker domesticity?” Since 9/11, Hillary Rodham Clinton has become the leading Democratic contender in the race for the White House, with a good chance of becoming the first female president in history; Katie Couric was named anchor of the CBS Evening News; and women like Lara Logan of CBS and Martha Raddatz of ABC have been reporting from the frontlines of the war in Iraq. Ms. Faludi asserts that the 9/11 widows “the media liked best” were the fragile, dependent ones, “who accepted that their ‘job’ now was to devote themselves to their families and the memory of their dead husbands.” But even she has to acknowledge that the so-called “Jersey Girls” (Kristen Breitweiser, Mindy Kleinberg, Patty Casazza, and Lorie van Auken) played “an essential role in forcing the creation of the independent 9/11 Commission,” and helped strong-arm “top White House officials into testifying before the commission.”

Kakutani does say that Faludi explains that these women were the exception to the rule but it doesn’t seem to bother her. Nor the fact that Faludi points out that in places central to the frontier myth, women have been underrepresented or excluded, as the stewardesses who boiled water on Flight 93 to throw it on the terrorists (nice nugget, there, as a fighting action it’s in conflict with the myth but broken down in its component parts, it’s actually pretty similar to women who in frintier times prepared the means with which men fought. Curious conflict there)

She writes that post-9/11 marketing efforts “had succeeded in darkening the image of the sexually liberated single woman,” even though “Sex and the City” remained a hit TV show in the years before and after the attacks.

It would have been nice of Ms. Kakutani to have recalled Backlash a little bit better and the part of it, which was itself at the time not new, but it was for the first time presented in a nationwide nonfiction bestseller (we all would love for Irgigaray and Butler to sell big but that’s not going to happen, is it), which discusses the so-called ’emptiness’ of the career woman. Much of what Ms. Faludi has written about that is admirably compatible with Sex and the City (I’ve written some remarks about that show in this short essay of mine as well)however, that show, for whatever reasons, did run out in the years when the infamous War on Terror began (does Kakutani presume that this process is exact? The second the myth begins everything is being adjusted? Those things take time), which could provide material for a neat discussion of the closeness of the show to the myth and the reason for its incopmpatibility with the similar problematic surrounding the stewardesses on Flight 93.
The most striking part of Kakutani’s criticism of Faludi’s book, as well as the most telling, is this one:

And she writes that television and other pop culture manufacturers dispensed “the consolations of a domestic idyll where men wore all the badges, and women wielded all the roasting pans,” even though high-profile shows like “Scrubs,” “CSI: Miami” and “The Osbournes,” which had their debuts in the year or so after 9/11, hardly illustrate this theory, and television has more recently seen the emergence of shows (like “Damages,” “Saving Grace” and “The Closer”) featuring feisty middle-aged heroines as tough-talking lawyers and cops.

Granted, I don’t remember enough of Backlash [and I don’t find my copy. Anybody who’s willing to buy me a new one is welcome! ;)] to retrieve from memory to what extent Faludi has understood the gender/sex divide, but what’s interesting about these new shows, as well as about Scrubs is that these shows work with a strong sense of what “masculine”/”feminine” is and of how masculine/feminine a man/woman should be to be normal, which makes shows like these hasten to show that, looking at The Closer, for instance, despite being a “tough cop”, Chief Brenda Johnson is still very feminine, she may fulfill the gender role of a man, down to her behaviour at home, but ‘deep down’ she’s still a woman, an insidious argument if I ever saw one. If that show wasn’t so enjoyable… Point is that although Faludi’s arguments abour rebuilt attitudes should not be taken too literally, these arguments are indeed forceful and they describe a troubling development.
However, Kakutani may be right about one thing.

Ms. Faludi’s overarching thesis in this book rings false too. In fact, her suggestion that the 9/11 attacks catalyzed the same fears and narrative impulses as those unleashed by our frontier ancestors’ “original war on terror,” leading to a muffling of feminist voices and a veneration of “the virtues of nesting,” runs smack up against her own “Backlash,” which suggested that similar assaults on women’s independence were being unleashed in the 1980s — a time not of war or threat but a decade that witnessed the fall of the Berlin Wall and the coming end of the cold war.

It might, after all, not be due to the horrible specter of 9/11. How people behaved in the face of 9/11 might have been due to what they were thinking all the time. Maybe it’s just that with faminism it’s as with civil rights, people no longer look too closely at what’s happening if they are so afraid some muslim Terrorists might destroy their homes and their ‘freedom’ that they don’t notice the infringement of said freedom by their own elected government and nonelected media.