Christlicher Fundamentalismus (Kram)

Angetippt von diesem SPON Artikel, besonders dieser Passage

Williams provoziert immer wieder mit seinen Äußerungen. Im vergangenen Jahr bezeichnete er Befürworter eines Angriffs gegen Syrien oder Iran als kriminell und mörderisch. Die israelische Tageszeitung Haaretz kritisierte Williams wegen dessen Äußerungen in Bethlehem zu Israels Mauer. Zuvor hatte Williams’ Amtsvorgänger Bischof Carey ihn wegen eines Boykott-Aufrufs angegriffen. Damals hatte unter Williams’ Vorsitz die Synode der Anglikanischen Kirche entschieden, Aktienanteile am US-Unternehmen Caterpillar zu verkaufen. Begründung: Die Firma liefere die Bagger, mit denen Israel Häuser in Palästinensergebieten einreiße.

Auch im aktuellen Interview mit dem Magazin “Emel” erwähnt Williams das enorme Leid, das die Mauer in Israel verursache. Von Terroranschlägen sprach Williams nicht. Einzige verworren-kritische Äußerung zum Islam: Die muslimische Welt sollte bedenken, dass man etwas von der Frage lernen könne, wie “klassische liberale Demokratie zu einer islamischen Weltsicht passt”.

Abgesehen davon empfiehlt Williams in dem Interview allen Gläubigen die muslimischen Betrituale: Fünfmal am Tag zu beten könne helfen, “Gott stärker in den Alltagsrhythmus zu integrieren”.

mußte ich an etwas denken, von dem ich längst lustige Passagen zitieren wollte. Einmal ein Artikel in dem Parzany und seine unerträgliche Pro Christ Veranstaltung quasi von rechts kritisiert wird, was einem Evangelikalen erst einmal passieren muß:

Wesentliche Bestandteile des biblischen Evangeliums werden bei Pro Christ verschwiegen bzw. haben nicht das Gewicht, das sie von der Bibel her haben müßten. […]

** die Heiligkeit Gottes, der ein verzehrendes Feuer ist;
** der Zorn Gottes über alle Sünde und über die gottlosen Sünder;
[…]
** die völlige Verdorbenheit des sündigen Menschen, an dem nichts Gutes ist und der zu nichts Gutem fähig ist, der unter die Sünde versklavt ist;
** die Tatsache, daß auch nach menschlichen Maßstäben „gute“, ordentlich lebende Menschen vor Gott verlorene Sünder sind;
** die Tatsache, daß auch „moderne“, heute gesellschaftlich akzeptierte Sünden wie Hurerei (vorehelicher Geschlechtsverkehr, Zusammenleben ohne Trauschein) vor Gott ein Greuel sind und zur Verdammnis führen (Ähnliches gilt z.B. für Abtreibung, Steuerbetrug, Lügen);
[…]
** klare Buße als Bruch mit der Sünde und Unterwerfung unter Gott;
** die Aufforderung des Herrn Jesus Christus an alle Gläubigen, ihr Eigenleben zu verleugnen und zu verlieren und ihr Kreuz auf sich zu nehmen;
[…]
** die Ausschließlichkeit des Heils allein durch Jesus Christus auch im Hinblick auf Anhänger anderer Religionen.

[…] Im Licht der Bibel müssen wir aber feststellen, daß jede gewichtige Verkürzung des Evangeliums im Grunde auch schon eine Verfälschung darstellt. Paulus zeigt in Apg 20,26-27, daß es Blutschuld nach sich zieht, wenn ein Verkündiger unbequeme Wahrheiten verschweigt und nicht den ganzen Ratschluß Gottes verkündigt.

Weiterhin gibt es ja noch das Aussetzen der Lektüre von Harry Potter in Chemnitz (und zwar nicht aufgrund berechtigter Einwände, was die literarische Qualität des Textes als Schullektüre betrifft), worüber an verschiedener Stelle, unter anderem ebenfalls in SPON berichtet wurde

Eine Chemnitzer Schule hat auf Bitten zweier Eltern die Lektüre von Harry Potter vom Lehrplan genommen. Die Eltern hätten sich in ihren christlichen Gefühlen verletzt gefühlt, berichtet die in Chemnitz erscheinende “Freie Presse”. Der Schulleiter des Kepler-Gymnasiums, Stephan Lamm, erklärte, man respektiere die Gefühle der Eltern und werde Harry Potter nicht als Einzelwerk in der betreffenden 5. Klasse behandeln. […] Die beiden Elternpaare hätten sich hauptsächlich an der Magie gestört, die in den Romanen viel Raum einnehme.

Gruselig wird es, wenn man das noch recht kleine Netz (in ganz Deutschland wohl nur zwischen 40 und 100 Verweigererfamilien) der fundamentalistischen Schulverweigerer betrachtet. Der Sprecher dieser bewegung schreibt Dinge wie

„Wer ein Gewissen knechtet, mit dem wird Gott rechten”, heißt es in dem Schreiben wörtlich.

Trotzdem es recht wenige sind, bekommen sie, wie der Fall in Chemnitz zeigt, immer wieder Einfluß auf Schulen oder, wie aus Hubers neugewonnener Unterstützung für die evangelikale Bewegung deutlich wird, auf Mainstreamkirchen. Unterstützung finden diese Gruppierungen, die sich etwa König Drosselbart aufgrund der dort enthaltenen Blasphemie (“ein Werk des Teufels”) verweigern, auch von der Partei Bibeltreuer Christen. Guckst du hier:

Die PBC mit ihren rund 100.000 Wählern stehe “voll hinter den Heimschulfamilien”, schreibt der bayerische Landesvorsitzende Johannes Schabert (Nürnberg) in einem Offenen Brief an Adenauer. […] Schabert erinnert zudem daran, daß das Verbot von Heimschulunterricht “auf das Jahr 1938 unter Adolf Hitler zurückgeht”. Er zieht ferner eine Parallele zwischen dem Rücktritt der bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) und ihrem scharfen Vorgehen gegen Heimschuleltern. Sie habe gegen mindestens sieben Elternteile Beugehaft verhängt. Schabert: “Der Prophet Sacharja sagte bereits vor 2.500 Jahren, daß wer Gottes Volk antastet, seinen (Gottes, Anm.) eigenen Augapfel antastet.”

Abschließend die im selben Artikel zitierte, na, man möchte schon fast sagen: Drohung des kölschen Baptistenpredigers Hartmann

“Diese Eltern haben dem kommunistischen Druck nicht nachgegeben und ihm widerstanden; glauben Sie, daß diese Menschen vor Ihren Drohungen zurückschrecken?”

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