Glockenläuten

Lyrik ist wie ein großes Glockenläuten: damit alle aufhorchen. Damit in einem jeden das aufhorcht, das nicht einem Zweck dient, das nicht verfälscht ist durch die Kompromisse. Und das gilt für das verzweifelte Gedicht und auch für das negative und das ‘ärgerliche’ Gedicht: Es ist ein Glockenläuten. In Wahrheit gibt es kein Gedicht ‘gegen’, das nicht zugleich und weit mehr auch ein Gedicht ‘für’ wäre […].
Und darin besteht auch die Katharsis: in einem letzten Glauben an den Mensch, ohne den Lyrik nicht ist.

Hilde Domin im “Offenen Brief an Nelly Sachs”

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