Egotripper

classless Kulla erzählt uns, was wir schon immer wissen wollten, in einem ausführlichen sozusagen-faq.

Die überwiegende Mehrzahl dessen, was ich mache und denke, steht nicht in diesem Blog.

[…]

Der flauschige rosa Kapuzenpulli stammt aus einem Einkaufszentrum in Halberstadt.

Die meisten Menschen kenne ich nicht; die meisten Bücher und Texte, die es gibt, habe ich nicht gelesen; die meiste Musik nicht gehört.

[…]

Sehr viel Musik und Literatur finde ich langweilig.

Ich habe große Probleme mit Leuten, die alles ernstnehmen oder glauben, was ich sage und schreibe. Ich mache mich ständig und gern über die meisten Dinge lustig und finde es seltsam, das immer extra dranschreiben zu müssen.

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Correct II

Following this, here’s the mighty George Orwell

The inflated style itself is a kind of euphemism. A mass of Latin words falls upon the facts like soft snow, blurring the outline and covering up all the details. The great enemy of clear language is insincerity. When there is a gap between one’s real and one’s declared aims, one turns as it were instinctively to long words and exhausted idioms, like a cuttlefish spurting out ink. In our age there is no such thing as “keeping out of politics.” All issues are political issues, and politics itself is a mass of lies, evasions, folly, hatred, and schizophrenia. When the general atmosphere is bad, language must suffer.

Korrekt

Die Korrektheit der Sprache ist die Voraussetzung der moralischen Klarheit und der Redlichkeit. Viele Schurkereien und schwere Vergehen entstehen, wenn man die Grammatik und die Syntax verpfuscht, wenn man das Subjekt in den Akkusativ setzt oder das Akkusativobjekt in den Nominativ und so die Karten durcheinanderwirft und zwischen Täter und Opfer die Rollen vertauscht, die Ordnung der Dinge verfälscht und Geschehnisse anderen Ursachen oder Urhebern als den tatsächlichen zuschreibt, Unterscheidungen und Hierarchien in einer betrügerischen Anhäufung von Begriffen und Gefühlen aufhebt und damit die Wahrheit entstellt.

(Claudio Magris)

Communist Bookworms

Excellent idea over @ paperpools:

The odd thing about the people who specialise in decluttering people’s lives is that no one ever talks about the possibility of (shock horror) communal ownership. The alternatives offered are a) private ownership and b) divestment. So you have to choose between having a Greek-English Lexicon in the home, which you consult a few times a year, or not having access to one at all. The idea that you might be better off as a member of a group, so that you all paid once for a book you all might occasionally have use for, and all clubbed together to pay for a place to keep the collection… well, it’s not that it smacks of Communism. It’s not that it’s unAmerican. It’s so absolutely alien it’s not even considered as a possibility.

Teilen und Herrschen

Guter Artikel bei missy:

Es sah so aus, als sei die „Dritte Welle“, wie die aktuelle Frauenbewegung in den USA genannt wird, auch in Deutschland angekommen. Endlich äußerten junge Frauen sich zu einem Thema, das lange Zeit als uncool/unsexy/unwichtig geächtet war: Feminismus. […]

Stattdessen beobachten wir – zusammen mit dem Rest der Bundesrepublik – jetzt mit zunehmendem Ärger und Enttäuschung den öffentlichen Generationenkampf, der derzeit in den Medien inszeniert wird: JUNGE gegen ALTE FEMINISTINNEN bzw. DER NEUE gegen DEN ALTEN FEMINISMUS.

Dabei verhält es sich angeblich so: Die neuen Feministinnen sind hedonistische, geschichtsvergessene Girlies, die Emanzipation mit dem Tragen von Lipgloss und Stilettos gleichsetzen, sich nur für ihre eigenen Karrieren und Beziehungen interessieren und Pornografie und Prostitution „total geil“ finden. Die alten Feministinnen verstehen keinen Spaß, sind total unlocker, was Pornos und gekauften Sex angeht, kämpfen gegen die Verschleierung der muslimischen Frau und wissen nichts von den Problemen der jungen Generation.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass ein Großteil der Berichterstattung die vielen verschiedenen feministischen Positionen auf dieses Schema reduziert, befeuern auch einige der Protagonistinnen selbst diese Klischees. […]

Muss das wirklich sein? Im Grunde ist es doch so: DEN FEMINISMUS als homogene Bewegung hat es nie gegeben, nicht Anfang des Jahrhundert während der „Ersten Welle“, nicht in den Siebzigern und nicht heute. Immer schon haben Feministinnen im Laufe der Geschichte viele verschiedene Positionen zu allen möglichen Themen vertreten. Es gibt die, die von einem grundlegenden Unterschied zwischen Männern und Frauen ausgehen und jene, die schon die Konstruktion eines solchen Unterschiedes sexistisch finden. Es gibt Feministinnen, die Pornografie als frauenfeindlich einstufen und andere, die es politisch finden, selbst in Pornos mitzuspielen. Feministinnen aus der weißen Mittelklasse kämpfen gegen ganz andere Probleme als Migrantinnen, lesbische und transsexuelle Feministinnen gegen andere als heterosexuelle.

Diese Meinungsverschiedenheiten und das gegenseitige Abarbeiten aneinander machen das Arbeiten manchmal verdammt anstrengend. Aber sie sind notwendiger Teil des Feminismus und wir wollen sie nicht missen. […] Wenn wir uns nun einreden lassen, es handele sich um ein Generationenproblem, hält uns das nur von wichtigeren Aufgaben ab.

Die Wahrheit ist: Wir wissen zu wenig voneinander. Die Zwanzig- bis Dreißigjährigen sind schlecht informiert über die Geschichte der Frauenbewegung und tappen deshalb allzu oft in die gleichen Fallen wie ihre Vorgängerinnen in den Siebzigern. Die ältere Generation sieht wiederum nicht, dass junge Frauen heute auch politisch aktiv sind – auch wenn dieser Aktivismus andere Formen annimmt als damals. Einige von uns arbeiten nach wie vor an den Themen, die schon für die „zweite Welle“ aktuell waren und es immer noch sind, wie etwa das Recht auf Abtreibung. Für andere ist es wiederum politische Arbeit, in einer Band zu spielen, eine Zeitschrift wie Missy herauszubringen, ein Frauenkulturfestival zu organisieren oder ein Buch über eine 18-Jährige zu schreiben, die sich passioniert mit ihren Körperflüssigkeiten beschäftigt.

Glockenläuten

Lyrik ist wie ein großes Glockenläuten: damit alle aufhorchen. Damit in einem jeden das aufhorcht, das nicht einem Zweck dient, das nicht verfälscht ist durch die Kompromisse. Und das gilt für das verzweifelte Gedicht und auch für das negative und das ‘ärgerliche’ Gedicht: Es ist ein Glockenläuten. In Wahrheit gibt es kein Gedicht ‘gegen’, das nicht zugleich und weit mehr auch ein Gedicht ‘für’ wäre […].
Und darin besteht auch die Katharsis: in einem letzten Glauben an den Mensch, ohne den Lyrik nicht ist.

Hilde Domin im “Offenen Brief an Nelly Sachs”