Frankfurt die Bleistadt.

Die Mainufer, künstlich begradigt & befestigt, kaum höher scheinend als 1 Bordsteinkante, – so bietet der korsettierte Fluß-selber den Anblick einer breiten, asfaltierten Chaussee – ohne Menschen, ohne Fahrzeuge, in Finsternis belassen u leer. – Vielleicht zweihundert Meter weiter über den Fluss sich streckend die “Friedensbrücke” – ihre Kanten leuchtend konturiert vom selben kaltglühenden Blau wie das Geschäftshochhaus mit dem zungebläkenden Firmenzeichen, als hätte 1 Schulkind dies gemalt & aus Bequemlichkeit für beides, Firmenhaus & Brücke, dasselbe Blau aus dem Tuschkasten verwendet. – Wir bleiben stehn auf dem kleinen gemauerten & umzäunten Plattformviereck am Rand des Mains, sehen die Stadt: Als stützten Metallröhren glitzernd mit winzigen Tröpfchen beschweißt im hitzigen Dunkel die tief herabgedrückte Decke Eineshimmels ohne Regen ohne Wind. Starr u verschlossen Dienacht, eine Kammer aus Blei. Frankfurt die Bleistadt.

from Reinhard Jirgl‘s most recent novel Die Stille.

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