Müller / Grass

A german post for once: Herta Müller reacting to the Günter Grass affair that recently erupted over a ‘poem’ he published.

Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat die Äußerungen von Günter Grass zur israelischen Politik scharf kritisiert. Am Rande einer Lesereise nach Tschechien sagte sie in Prag, Grass solle sich lieber zurückhalten: „Er ist ja nicht ganz neutral. Wenn man mal in der SS-Uniform gekämpft hat, ist man nicht mehr in der Lage, neutral zu urteilen“, so Müller über ihren Nobelpreis-Kollegen.

Die Kritik äußerte sie auf einer Pressekonferenz im Prager Goethe-Institut. Sie habe von der Debatte um Günter Grass wegen ihrer Auslandsreise erst aus den Zeitungen erfahren. Sie halte Grass’ Äußerung nicht für ein Gedicht: „Wenn er ehrlicher wäre, hätte er einen Artikel geschrieben. Will er, dass es Literatur ist und damit interpretierbar? Dort steht kein einziger literarischer Satz drin, also ist es ein Artikel“, sagte Müller.

Mit dieser „Etikettenfälschung“ könne man sich auch nicht retten. Dass Grass sein „sogenanntes Gedicht“ an drei verschiedene Zeitungen in mehreren Ländern geschickt habe, halte sie für „größenwahnsinnig“. Ihre Kritik schloss Herta Müller mit den Worten: „Das muss er selber verantworten.“

(source)

6 thoughts on “Müller / Grass

  1. ‘Etikettenfälschung’ – ein Gedicht dass kein Gedicht ist… Herta Müller hat klar gesagt, was ich persönlich auch gedacht habe. Schon nach der Lektüre von der Autobiographie war ich nicht von seiner ‘Ehrlichkeit’ überzeugt. Die Erklärung von der Angehörigkeit der Waffen SS war überhaupt nicht glaubhaft.
    Reich-Ranicki hat mit seiner üblichen Übertriebenheit reagiert – da ist die Ausage von Herta Müller nüchterner und wesentlich effektvoller… Ich bin von der Israeli Politik nicht begeistert, Gott weiss, aber objektiv gesehen, wenn man nur Grass und sein ‘Gedicht’ beurteilen will, kann man Grass nur als überzeugter Gegner dieses Landes ansehen.

  2. Also ich möchte diese Diskussion nicht unbedingt führen, aber Grass is mittlerweile einschlägig was seine Meinung betrifft. Das begann mit dem “Krebsgang” und seinen im Umfeld der Veröffentlichung getroffenen Äußerungen, und wurde fortgesetzt mit seiner Deklaration der grundsätzlichen Illegitimität des Landes Israel, sowie mit seiner exakten (falschen) Gleichsetzung toter deutscher Kriegsgefangener und jüdischen Opfern der Shoah. Ein schöner Hinweis auf welches traditionelle deutsche Gebiet Grass sich seit 1999 begeben hat, ist der Vergleich seines letzten Buchs “Grimms Wörter” mit dem “Treffen in Telgte”. Was Grass’ Äußerungen zu Israel betrifft, ist hier wahrscheinlich der Begriff der “Umwegkommunikation” relevant. Ich glaube ein akzeptierterer Begriff ist der der “Kommunikationslatenz”.

    • ‘Krebsgang’ fand ich toll. Wenn man das Buch liest ohne irgend etwas von Grass und seine Vergangenheit oder politische Stellungen zu kennen, ist das Buch beeindrückend. Wenn es allein steht…

      Sonst er ein typisches Produkt seiner Zeit. Die ganze Generation ist mit Hirnwäsche vergiftet worden – es gab Ausnahmen, die selbstständig denken konnten. Da sind weder der Grass noch der Ratzinger dabei.

      Zwei Nobelpreisträger – zwei Generationen, zwei ganz verschiedene Einstellungen.

  3. OH, ich finde “Krebsgang” rein stilistisch furchtbar. Ich fand schon “Mein Jahrhundert” suboptimal. Im “Krebsgang” liest sich Grass zum teil wie seine eigene Parodie. Ich habe das einer Bekannten unlängst gesagt: ungefähr zeitgleich haben drei große Schriftsteller unserer Zeit Werke herausgebracht, die sich wie ihre eigene Parodie lesen. Dazu zähle ich Rushdies Roman “Fury” und DeLillos Roman/Novelle “Cosmopolis”. Stilistisch finde ich “Beim Häuten der Zwiebel” viel überzeugender,

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