Autoritäten

Es geht mir hierbei gar nicht um die Sache an sich, sondern um so Geschichen wie disfranchisement und so. Im Zusammenhang mit dem Islam in D gerade besonders eklig, jüngstes Beispiel, SPON berichtet über ein Kopftuchverbot an einer Düsseldorfer Schule:

“Wir leben in einem Land, das an christlichen und demokratischen Werten orientiert ist. Das Kopftuch wird von uns als Symbol der Unterdrückung der Frau und fehlender Gleichberechtigung betrachtet. (…) Wer unbedingt möchte, dass seine Tochter in der Schule ein Kopftuch trägt, sollte sich gut überlegen, ob die Anne-Frank-Realschule die richtige Schule für seine Weltanschauung und seine Tochter ist.”

und dann später im selben Artikel

Laut Bezirksregierung erklärte der Rektor, er habe bei berufsvorbereitenden Praktika seiner Schüler oft die Erfahrung gemacht, dass die Gesellschaft immer noch große Vorbehalte gegen Muslime mit Kopftüchern habe. Nur deshalb habe er die Schülerinnen ermutigen wollen, in Schule und Beruf auf das Kopftuch zu verzichten.

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Emanzipation

Zwei Zitate aus Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura von Irmtraud Morgner

Der Soldat vergaß nicht zu erwähnen, daß Manöver und Rüstung entbehrlich wären, sobald die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen in allen Ländern abgeschafft wäre. “Und die Ausbeutung der Frau durch den Menschen.” sagte Beatriz. “Wie”, sagte der Soldat. Sein Unverständnis erklärte sich Beatriz mit den idealen Zuständen seiner Heimat.

*

Als neulich unsere Frauenbrigade im Espresso am Alex Kapuziner trank, betrat ein Mann das Etablissement, der meinen Augen wohltat. Ich pfiff also eine Tonleiter rauf und runter und sah mir den Herrn an, auch rauf und runter. Als er an unserem Tisch vorbeiging, sagte ich “Donnerwetter”. Dann unterhielt sich unsere Brigade über seine Füße, denen Socken fehlten, den taillenumfang schätzten wir auf siebzig, Alter auf zweiunddreißig […] Wegen schlechter Haltung der schönen Schultern riet ich zu Rudersport. Da der Herr in der Ecke des Lokals Platz genommen hattem mußten wir sehr laut sprechen. Ich ließ ihm und mir einen doppelten Wodka servieren und prostete ihn zu, als er der Bedienung ein Versehen anlasten wollte. Später ging ich zu seinem Tisch, entschuldigte mich, sagtem daß wir uns von irgendwoher kennen müßten, und besetzte den nächsten Stuhl. Ich nötigte dem Herrn die Getränkekarte auf und fragte nach seinen Wünschen. Da er keine hatte, drückte ich meine Knie gegen seine, bestellte drei Lagen Sliwowitz und drohte mit vergeltung für den Beleidigungsfall, der einträte, wenn er nicht tränke. Obwohl der Herr weder dankbar noch kurzweilig war, sondern wortlos, bezahlte ich alles und begleitete ihn aus dem Lokal. In der Tür ließ ich meine Hand wie zufällig über seine Hinterbacke gleiten, um zu prüfen, ob die Gewebestruktur in Ordnung wäre. Da ich keine Mängel feststellen konnte, fragte ich den Herrn, ob er heute abend etwas vorhätte, und lud ihn ein ins Kino. Eine innere Anstrengung, die zunehmend sein hübsches gesicht zeichnete, verzerrte es jetzt grimassenhaft, konnte die Verblüffung aber endlich lösen und die Zunge, also daß der Herr sprach: “Hören Sie mal, Sie haben ja unerhörte Umgangsformen.” “Gewöhnliche”, antwortete ich, “Sie sind nur nichts Gutes gewöhnt, weil Sie keine Dame sind.”

Teilen und Herrschen

Guter Artikel bei missy:

Es sah so aus, als sei die „Dritte Welle“, wie die aktuelle Frauenbewegung in den USA genannt wird, auch in Deutschland angekommen. Endlich äußerten junge Frauen sich zu einem Thema, das lange Zeit als uncool/unsexy/unwichtig geächtet war: Feminismus. […]

Stattdessen beobachten wir – zusammen mit dem Rest der Bundesrepublik – jetzt mit zunehmendem Ärger und Enttäuschung den öffentlichen Generationenkampf, der derzeit in den Medien inszeniert wird: JUNGE gegen ALTE FEMINISTINNEN bzw. DER NEUE gegen DEN ALTEN FEMINISMUS.

Dabei verhält es sich angeblich so: Die neuen Feministinnen sind hedonistische, geschichtsvergessene Girlies, die Emanzipation mit dem Tragen von Lipgloss und Stilettos gleichsetzen, sich nur für ihre eigenen Karrieren und Beziehungen interessieren und Pornografie und Prostitution „total geil“ finden. Die alten Feministinnen verstehen keinen Spaß, sind total unlocker, was Pornos und gekauften Sex angeht, kämpfen gegen die Verschleierung der muslimischen Frau und wissen nichts von den Problemen der jungen Generation.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass ein Großteil der Berichterstattung die vielen verschiedenen feministischen Positionen auf dieses Schema reduziert, befeuern auch einige der Protagonistinnen selbst diese Klischees. […]

Muss das wirklich sein? Im Grunde ist es doch so: DEN FEMINISMUS als homogene Bewegung hat es nie gegeben, nicht Anfang des Jahrhundert während der „Ersten Welle“, nicht in den Siebzigern und nicht heute. Immer schon haben Feministinnen im Laufe der Geschichte viele verschiedene Positionen zu allen möglichen Themen vertreten. Es gibt die, die von einem grundlegenden Unterschied zwischen Männern und Frauen ausgehen und jene, die schon die Konstruktion eines solchen Unterschiedes sexistisch finden. Es gibt Feministinnen, die Pornografie als frauenfeindlich einstufen und andere, die es politisch finden, selbst in Pornos mitzuspielen. Feministinnen aus der weißen Mittelklasse kämpfen gegen ganz andere Probleme als Migrantinnen, lesbische und transsexuelle Feministinnen gegen andere als heterosexuelle.

Diese Meinungsverschiedenheiten und das gegenseitige Abarbeiten aneinander machen das Arbeiten manchmal verdammt anstrengend. Aber sie sind notwendiger Teil des Feminismus und wir wollen sie nicht missen. […] Wenn wir uns nun einreden lassen, es handele sich um ein Generationenproblem, hält uns das nur von wichtigeren Aufgaben ab.

Die Wahrheit ist: Wir wissen zu wenig voneinander. Die Zwanzig- bis Dreißigjährigen sind schlecht informiert über die Geschichte der Frauenbewegung und tappen deshalb allzu oft in die gleichen Fallen wie ihre Vorgängerinnen in den Siebzigern. Die ältere Generation sieht wiederum nicht, dass junge Frauen heute auch politisch aktiv sind – auch wenn dieser Aktivismus andere Formen annimmt als damals. Einige von uns arbeiten nach wie vor an den Themen, die schon für die „zweite Welle“ aktuell waren und es immer noch sind, wie etwa das Recht auf Abtreibung. Für andere ist es wiederum politische Arbeit, in einer Band zu spielen, eine Zeitschrift wie Missy herauszubringen, ein Frauenkulturfestival zu organisieren oder ein Buch über eine 18-Jährige zu schreiben, die sich passioniert mit ihren Körperflüssigkeiten beschäftigt.

Lafontaine Zwei (ach du lieber Himmel)

Oh Gott. Fürchterlicher Unfug bei SPON von Christa Müller, Ehefrau von Oskar Lafontaine:

Die andere Gruppe bestünde aus Radikalfeministinnen: “Die kämpfen nur für die Frauen, die eine berufliche Karriere anstreben.” Müller schüttelt den Kopf: “Das ist doch dummes Zeug, die Mehrheit der deutschen Frauen will gar keine Karriere machen.”

[…] Früher sei sie durch die feministische Bewegung beeinflusst gewesen. Da habe auch sie die Erwerbstätigkeit der Frau ganz nach vorn gerückt, um nicht vom Mann finanziell abhängig zu sein. Später jedoch habe sie erkannt, dass nicht für alle die berufliche Karriere im Mittelpunkt stehe: “Die große Mehrheit der Frauen will sich neben einer Teilzeitarbeit oder sogar vollständig der Familie widmen.” Würde ihnen dafür ein Erziehungsgehalt gezahlt, dann wären sie auch unabhängig vom Mann: “Insofern ist meine Idee ein feministisches Projekt.” […]

Sie sieht das als Lebensaufgabe: “Das ist so wie im Kampf gegen die Genitalverstümmelung, da muss ich mich wohl auch bis zum Ende meines Lebens engagieren”, sagt sie. […]

Christa Müller vergleicht den Kampf gegen die Beschneidung mit jenem gegen die Fremdbetreuung: “Diesen Vergleich wage ich, denn bei der Genitalverstümmelung handelt es sich um Körperverletzung, bei der Krippenbetreuung in einigen Fällen um seelische Verletzung – und die ist manchmal schlimmer als Körperverletzung.”

Aber wer von einer “Reproduktion des asozialen Milieus” spricht ist ohnehin Träger fragwürdiger Einstellungen.

Machen Sie sich mal frei!

SPON über eine Entwicklung in Schweden

“Bara Bröst” heißt die Gruppe – “bloße Brust”. Ungewöhnlich für eine Feministinnenorganisation, doch tatsächlich ist das ihre Mission: Sie wollen sich entblößen dürfen. In Schwimmbädern. Männer dürften dort schließlich auch oben ohne herumlaufen. Das sei diskriminierend, ausgerechnet im liberalen Schweden.

Jetzt feiert “Bara Bröst” ihren bisher größten Erfolg: Die erste öffentliche Schwimmhalle hat nachgegeben – im nordschwedischen Sundsvall. […]

Die Frauen feiern ihren Erfolg, denn sie haben monatelang dafür gestritten. Im Herbst hatten die Aktivistinnen damit begonnen, gruppenweise Schwimmhallen in schwedischen Städten zu stürmen. Ohne Oberteil. […]

Die Aktionen endeten jedes Mal mit einem Rausschmiss durch die Bademeister: Die fürchteten, dass gerade die männlichen Gäste abgelenkt würden. Daraufhin zeigten die Frauen die Bademeister bei der staatlichen Antidiskriminierungsbehörde an – die sich weigerte, die Anzeige aufzugreifen.

Warum unbedingt oben ohne? Die jungen Frauen sehen den Zwang, ihre Brust zu bedecken, als Symptom der Übersexualisierung von Frauenkörpern. “Es ist diskriminierend, dass Frauen ein Oberteil an der Badebekleidung haben müssen, während Männer mit freier Brust baden dürfen”, sagte die Aktivistin Sanna Ferm der Sundsvaller Lokalzeitung “Dagbladet”. Beim Schwimmen sehe man den Busen ja gar nicht, argumentierten die Frauen. Die Aktionen sollten eine öffentliche Debatte anstoßen und dazu beitragen, dass weibliche Formen endlich sexuell “entdramatisiert” werden.

Mario Barth, Leander Haußmann und der ganze Kladderadatsch

Nachtrag zu diesem post von, äh, gestern. In einem SPON Interview faßt Leander Haußmann (ohne den ich auch gut klar käme) heute gut die (verquere und dämliche) Logik hinter Barths Dünnschiß zusammen:

Ich glaube, an bestimmten Dingen ist einfach was dran. Das bewerte ich gar nicht negativ oder positiv. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Zufall ist, dass meine Tochter mehr vor dem Spiegel steht als mein Sohn. Das muss doch irgendwo verankert sein. […] Es gab zuerst die Säugetiere, irgendwann Affen und dann wir. Das war ein langer Prozess, davon muss ja noch was übrig sein in uns. Wenn sich ein Mann nach einer Frau umdreht, dann ist das einfach sein Urinstinkt, da kann er nichts für. […] Eva Herman ist mir völlig egal, aber die Debatte ist interessant, weil man über Eva Herman einen Stellvertreterkrieg führt und sie sich hervorragend dafür eignet, dieses Thema ins Boulevard zu bekommen. Auch hier haben wir Tabus und die sind tatsächlich, da muss ich Eva Herman in gewisser Weise zustimmen, in den sechziger Jahren im Zuge der Emanzipation aufgetaucht. Aber was man darüber vergessen hat, ist, dass die Gleichstellung der Geschlechter noch lange nicht die Unterschiede zwischen ihnen aufhebt.

Ganz großartig. Obwohl ich vermute, daß Leander Haußman hier Witze macht, ist dieser schlecht durchdachte Unfug ja im Grunde schon Allgemeinwissen. Wenn man es anders sieht, muß man sich rechtfertigen, erklären, warum man denn jetzt kein moderner Postfeminist ist, und warum man immer noch “die selben alten Grabenkämpfe” führt wie die “68er”. Gottverdammt. So. Jetzt bin ich wieder stinkig und der Haußmann hat es wohl nicht einmal verdient.
Übrigens, auf die pro forma Frage des Spiegels, ob Haußmanns Tochter ihr Mädchenverhalten nicht von “gewissen Vorbildern” erlernt haben könnte, sagt Haußmann: “Dafür ist sie zu jung”. Entweder das ist wieder ein (bitterer) Witz, oder er meint tatsächlich nur Paris Hilton, Hillary Duff oder so. Ich rate zu einem Blick ins Kinderfernsehen oder in Kinderspielzeugläden. Bittesehr, ein paar schöne Hinweise, wo seine Tochter vielleicht auf Mädchen gedrillt wurde: Hier zum Beispiel, hier, hier, hier, oder hier. Selbstverständlich läßt sich das ganze auch auf Jungs ummünzen.

Das ist alles so verdammt verdammt ärgerlich und den Menschen schwimmen die Felle weg und wenn dann ein paar einigermaßen schlaue und gebildete Menschen, die zumindest ins Auge fassen “aus dem Fluß zu steigen” (finde grad keinen link), eine Veranstaltung machen die (juhu!) zwei Vorträge zum Thema Gender hat, verschwenden sie zumindest einen an einen der blöderen Denker zum Thema (das wird ganz gut von ihr selbst demonstriert, bitteschön, ein Manifest zum Nachlesen). Ach.

Menno.

Broder über Barth

Da haben sich die zwei richtigen getroffen. Broder schreibt einen dämlichen Artikel über den dämlichen Barth. Gegen Ende schreibt er

Dennoch bleibt der Aufstieg von Mario Barth zum Superstar ein Mysterium. Die perfekte Vermarktungsmaschine, die hinter ihm mittlerweile brummt, kann die offenkundig bestehende Nachfrage ja nur bedienen oder allenfalls befeuern, aber nicht selbst schaffen.

Die Antwort liegt auf der Hand: wenige ‘Comedians’ bedienen so sehr und so ausschließlich das gleiche menschenfeindliche Klischee vom Mann und der Frau die vom Mars respektive der Venus kommen (eine Art Kommentar dazu schrieb ich hier). Und das hätte Broder doch auffallen können, schließlich verdankt er seinen ‘Erfolg’, in jüngster Zeit jedenfalls, ebenfalls nicht seiner Brillianz, sondern der Tatsache, daß er seit einigen Jahren unermüdlich ebenfalls immer wieder die gleichen menschenfeindlichenKlischees bedient. Gut, in seinem Fall sind es andere. Das ist aber auch schon alles.