Dummes von der CSU

Christine Haderthauer bei Spon:

An der Türkei und anderen Staaten der islamischen Welt ist das Zeitalter der Aufklärung spurlos vorüber gegangen.

Intellektuelle Bankrotterklärung: Broder, die Zeit und andere

Ich schreibe gerade einen englischen post über den Archbishop von Canterbury und seinen Vortrag über die Sharia. Aber eine deutschssprachige Anmerkung habe ich zuerst: mal abgesehen davon, daß die SPON-Berichterstattung gewohnt tendenziös und halbgar ist, toppt Broder das alles natürlich wieder einmal, indem er nicht nur nichts verstanden hat, sondern sich auch nicht die Mühe gegeben hat, sich zu informieren. Ein Beispiel:

Nur irrt sich der Bischof, wenn er glaubt, man könne eine Gesellschaft wie eine Betriebskantine organisieren, deren Benutzer die Wahl zwischen einem Fleischgericht und einen vegetarischen Menü haben. Ein wenig Scharia kann es genauso wenig geben wie ein wenig Schwangerschaft. Die Scharia regelt das ganze Leben, wer sie nur in Teilen übernehmen will, hat von der Zwangsläufigkeit, die ihr innewohnt, keine Ahnung. Es ist, als würde man in einem Freibad das Nacktbaden unter der Bedingung erlauben, dass jeder Besucher darüber entscheiden darf, welches Kleidungsstück er ablegen mag. […]

Da ein Teil der Migranten nicht willens oder nicht in der Lage ist, die Regeln der Gesellschaft anzunehmen, soll die Gesellschaft die Regeln der Migranten übernehmen. So kann “Integration” auch definiert werden – als ein Auftrag an die Mehrheit, sich der Minderheit anzupassen.

Wie hier nachzulesen ist, liegt Broder in so ziemlich jedem Detail daneben. Weder hat der verstanden, was Dr. Williams mit der Scharia meint, noch was für eine Art rechtliches Modell (das in britischer Jurisdiktion übrigens längst möglich ist und auch durchgeführt wird) sich der Erzbischof vorgestellt hat, und vor allem nicht, daß Dr. Williams die Einwände kennt und sie sorgfältig und nachdenklich bespricht. Er nennt Bedingungen, die einzuhalten die einzige Möglichkeit sind, solch eine Änderungen in der britischen Jurisprudenz einzuführen. Entsprechend wäre nach des Bischofs Plan keine einzige der von Broder aufgeführten “Schreckensszenarien” nach des Bischofs Plänen überhaupt möglich.

Wogegen argumentiert Broder also? Der Schlüssel liegt in seinem Bestehen auf dem Ausdruck “Migrant”. Dr. Williams, der durchaus problematische Meinungen vertritt, seit er Erzbischof ist, sieht, daß es hier darum geht, daß man ganze Gemeinden von Staatsbürgern hat, die nicht vom System erfaßt werden. Der Grund dafür ist unerheblich. Denn mit diesem Problem gilt es umzugehen. Herr Broder jedoch, der den gemeinen Moslem offensichtlich nach wie vor als Fremdkörper im Land begreift, kann das nicht verstehen, oder er will es nicht. Drum bläst er ins selbe Horn wie der rechte Flügel der CDU/CSU, die NPD und andere nette Parteien. Man möchte Broder immer wieder schütteln, bis er versteht, was er sagt, wenn er das Wort “Aufklärung” in den Mund nimmt, aber da ist wohl sowohl Hopfen als auch Malz verloren. Söder bringe ich Vernunft auch nicht mehr bei.

Und das Traurigste ist, daß bei dieser, na, man möchte fast: Kampagne sagen, auch die Presse hübsch mitmischt. So wie die Zeit, deren Titelbild unlängst übrigens wieder sehr *hust* hübsch war. In einem Kommentar war sie, im Gegensatz zu Broder, aber wenigstens ehrlich und gab zu, die Rede nicht verstanden zu haben (wobei ich bezweifle, daß sie sie gelesen hat):

Der Sinn des Vortrags, den er vergangene Woche vor 1000 Juristen hielt, erschließt sich selbst nach sorgfältiger Lektüre nur schwer.

Das hielt sie aber nicht davon ab, die Rede aufgrund zweier Sätze zu kritisieren, die “an Klarheit nchts übrig ließen”, die sie aber offensichtlich schlicht und ergreifend nicht verstanden hat:

Die Übernahme von Elementen der Scharia in britisches Recht bezeichnete Williams als “unvermeidlich”. Auch nannte er die Position, ein Rechtssystem für alle verbindlich zu erklären, “ein bisschen gefährlich”.

Peinlich, da die ZEIT sich auf den Vortrag bezieht. In einem am selben Tag gegebenen Interview drückte Dr. Williams sich weniger sorgfältig aus, aber das ist hier ja unerheblich. Im Vortrag sagte er erstens nicht, es IST unvermeidlich, sondern es SCHEINT unvermeidlich. Und zweitens sagte er das nicht absolut, sondern er formulierte es als teil einer wenn…dann Konstruktion. ‘Wenn wir sozialen Frieden wollen, dann scheint es unvermeidbar,…’

Das Verhalten der ZEIT und Broders in diesem Disput ist nichts weiter als eine weitere intellektuelle Bankrotterklärung. Hurra wir kapitulieren? Sicher. Vor der Vernunft, soweit es die Zeit und Broder betrifft. Für eine offene Gesellschaft ist dieser dem Bürgertum ins Ohr geträufelte Hass reines Gift.

Islamophobie in den guten Kreisen (Update)

Der Soldat vergaß nicht zu erwähnen, daß Manöver und Rüstung entbehrlich wären, sobald die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen in allen Ländern abgeschafft wäre. “Und die Ausbeutung der Frau durch den Menschen.” sagte Beatriz. “Wie”, sagte der Soldat. Sein Unverständnis erklärte sich Beatriz mit den idealen Zuständen seiner Heimat.
(Irmtraud Morgner)

Es ist mir ein Rätsel, nicht nur mir, aber ich bin ja der mit der großen Klappe, also rede ich von mir, daß Menschen, die in bestimmten Belangen zu einer guten und kleinteiligen, sorgfältigen und ausgewogenen Analyse fähig sind, diese Fähigkeit in anderen Bereichen völlig vermissen lassen.

Ich dachte immer, es gibt sowas wie eine Fähigkeit zum kritischen Denken, die man entwickeln kann. Wenn man sie hat, wendet man sie an. Oder so. Dass ich seit einiger Zeit über die blogroll von classless kulla an den blogs verschiedener, entweder der gleichen Szene wie Kulla (ich bin mir unsicher. Ich sach mal: antideutsch. Das sind aber auch mindestens zwei verschiedene Szenen, habe ich bei der Kloppe, die Antideutsche untereinander manchmal verteilen, den Eindruck. Eine Klarstellung fänd ich hilfreich. Schreiben: mir!) oder einer ähnlichen Szene angehöriger Menschen, mitlese, desillusioniert mich da ein bißchen. Da findet man ausgezeichnete Analysen des Antisemitismus und freut sich schon und dann schlägt der Dorn-Effekt voll zu (hier im ersten Satz beschrieben.).

Denn, lo and behold, es stellt sich manchmal plötzlich heraus, daß man es mit einem islamophoben Menschen zu tun hat. Und zwar mindestens auf dem Dämlichkeitsniveau eines Herrn Broder. Aber was ist denn mit den anderen Sachen? Was ist denn plötzlich passiert? Mit einem Mal findet der bestürzte Leser Analysen auf dem Niveau einer knapp bestandenen mittleren Reife. Etwa hier, wo jemand die offensichtliche Islamhetze in den Medien so vom Tisch wischt:

Zwar mühen sich ausnahmslos alle etablierten Medien damit, den Islam vom „Islamismus“ und die (angeblich oder tatsächlich) friedlichen von den terroristischen Muslimen zu trennen; zwar beruft der Innenminister „Islam-Konferenzen“ ein, von denen dezidierte Kritiker der selbst ernannten Religion des Friedens ausgeschlossen bleiben; zwar wird allenthalben vor einem „Generalverdacht“ gegen die Anhänger des Propheten gewarnt und auf die kulturellen Leistungen des Islams hingewiesen –

Das, meine ungläubig schauenden Lieben, ist wirklich ein Argument der Autorin. Da kommt nichts mehr. That’s it. Das war’s schon. Man könnte nun glauben, gut, diese Autorin ist leider etwas oberflächlich, nicht interessiert, zum Beispiel an der Tiefenstruktur, die rassistischen Argumenten meist zugrunde liegt, etwas in der Art, bitteschön. Das hätte ich auch fast geglaubt. Aber nur wenige Zeilen später findet sich diese Bemerkung:

Rether merkte entweder gar nicht, welches antisemitische Klischee er da bediente, oder er nahm es bewusst in Kauf; die letztgenannte Möglichkeit ist bei einem, der Israel auch schon mal als „ganz normalen Apartheidstaat“ bezeichnet, zumindest nicht auszuschließen.

Ach? Auf einmal gibt es also die Möglichkeit, Klischees zu bedienen? Wohl gemerkt, Rether hat Juden nicht einmal erwähnt. Selbstverständlich hat die Autorin recht in ihrer Analyse, aber das hier ist ein völlig anderes Maß, das hier angelegt wird. Und wieso? Zeigt ihre Analyse, zum Beispiel auch in diesem völlig angebrachten Artikel, nicht, daß sie es kann? Daß sie es besser wissen müßte? Bei der Auflösung dieses Rätsels greift vielleicht ein Vorwurf, den sie dem armen dummen Kabarettisten vor seine kabarettierenden Füße wirft:

das könnte Rether wissen, wenn er es denn wissen wollte

Ja eben. Sie könnte es besser wissen und sagen. Nur mit dem wollen, da hakt es etwas. Es ist, als sei es unbewusst eine so große Überwindung, nicht antisemitisch zu sein, daß man ein Ventil braucht, um den Hass loszuwerden. Und wieso sollte das nicht der Islam sein? Den konnte man schon immer ganz gut hassen, alte Islamverunglimpfer wie Bernard Lewis, denen ihre Unwahrheiten Mal aufs Mal nachgewiesen wurden, erfreuen sich noch immer einer hohen credibility, aber versuch du mal, Weininger zu zitieren. Lewis geht immer noch runter wie Öl. Und das Beste ist, daß man sich beim Islam, im Gegensatz zum Antisemitismus, bei dem man sich zwar keine neuen Klischees ausdenken mußte, aber durchaus ‘neue’ Leute, denen man sie anhängen konnte, man konnte mit einem Mal zB nicht mehr einfach ‘der Jud’ sagen, wenn man den Jud meinte, gar nichts neues ausdenken mußte. Früher meinte man genau die gleichen Leute, die man heute meint, man verwendet exakt die gleichen Klischees, exakt die gleiche Argumentation und auf deutsch kann man auch immer noch sehr schön ‘Araber’ sagen, mit starker Betonung auf dem ersten A.

Ich würde ja sagen: whatever gets you through the day, aber traurig macht mich das schon. Wenn schon die, die eigentlich auf der ‘richtigen’ Seite stehen, dies nur deshalb machen können, weil sie mit einem Bein eigentlich noch auf der anderen Seite stehen, um dem kinderschändenden Ziegenficker einen Tritt zu verpassen, da kriegt man bloß wieder Kopfweh. Und damit schlagen wir den Bogen zum Eingangszitat aus einem Roman der großen Irmtraud Morgner. Natürlich, so stellt sich heraus, hat das Unverständnis des jungen Soldaten einen anderen Grund. An diesen Aspekt hat er nämlich gar nicht gedacht. Oder nicht auf die gleiche Art und Weise.

Übrigens. Das mag mir auffallen, weil ich gerade den prison break/doctorow artikel umgeschrieben habe (die Änderungen sind noch nicht online), aber daß die Autorin des hier zitierten blogs ausführliche Artikel über die Fußballbundesliga schreibt, ist vielleicht nur ein blöder Zufall. Hm.

Ps. Daß ich hier diese spezielle Art der selektiven Blindheit gewählt habe, heißt nicht, daß es nur die gibt, ein ganz anderes Beispiel aus einer anderen Richtung hätte ich mit Arne Hoffmann gehabt, der u.a. auch für den watchblog islamophobie schreibt, und der ganz eigene blinde Flecke entwickelt, wenn er wiederum über Antisemitismus oder Feminismus schreibt.

Nachtrag Lange bevor ich diesen post geschrieben habe, hat sich übrigens Herr Broder zu Wort gemeldet, was ich beinahe übersehen hätte (via):

“Wehe uns, wenn hier demnächst die Moscheen brennen, dann wills WIEDER keiner gewesen sein”, orakelt der Dhimmi und meldet sich freiwillig zum Dienst bei der Leibstandarte “Osama”.

Das Wort Dhimmi ist übrigens von seiner Wucht, Brutalität und Menschenverachtung heute im bürgerlich einigermaßen akzeptierten Vokabular kaum zu übertreffen. Es findet sich zum Beispiel auch unter den Fittichen von classless Kulla, bei dem Kommentare stehen wie

Deine Argumentation ist inhaltlich eher die eines Dhimmi

Dieser Kommentar, wohlgemerkt, steht unter einer simplen religionshistorischen Auslassung eines anderen Kommentierenden und wird von Kulla gebilligt, anders als das bloße Anführen von Personen übrigens, die in einem völlig anderen Bereich antisemitismusverdächtig sind. Kulla selbst schreibt über Rassismusvorwürfe etwa an Adresse der bahamas, die ich oben an einer signifikanten Stelle zitiert habe

Wenn es jemand für rassistisch hält, wenn sich zugunsten von Israel und von nicht-ethnisierten Migranten ausgesprochen wird, weiß ich auch nicht, warum ich mit ihm unbedingt diskutieren muß.

Nein, ich auch nicht. Und das ist auch nicht das Problem und das wissen wir alle. Duh.

Das schließt wieder den Kreis zum Artikel, unter dem dieser Nachtrag steht. Wäre diese Argumentationsweise an anderer Stelle, etwa bei Arne Hoffmanns Antisemitismusverteidigung, so aufgetaucht, ich glaube Kulla hätte sich (zu Recht) nicht einmal damit befaßt. Also wieso…? Wieso hält er solchen islamophoben oder zumindest antiislamischen Rassismus für eine “offene Frage”? Ich weiß es nicht. Ich weiß es einfach nicht. An der Blödheit kann es nicht liegen, blöd ist nämlich weder Kulla noch Liza. Noch Broder. Aber woher kommt das? Antworten nehme ich gerne an, obwohl zum Beispiel individualpsychologische Begründungen à la wojna (“du kommst mit deinem Leben nicht klar”) natürlich Unfug sind.

Broder, oder der Haß. Eine Komödie in vielen Akten.

Ach, was soll ich noch sagen nach gefühlten 100 Kommentaren über Broders erhellende Weisheiten. Der gute Herr Broder hat sich wieder im Ton vergriffen und zwar nicht gerade wenig. In seinem Kommentar zu Jens Jenssens unglücklich formuliertem ZEIT-Videokommentar, der tatsächlich nicht unproblematisch ist, nutzt er die Gelegenheit, seinen gewohnten (gewöhnlichen?) Haß zu verbreiten. Da sagt er

Vollends auf die “Ausländerfeindlichkeit” fixiert, will er nicht wahrhaben, dass es […] nicht nur “Bürger mit Migrationshintergrund”, sondern auch “Migranten mit kriminellem Hintergrund”.

und demonstriert, was genau Jenssen mit Ausländerfeindlichkeit meint und mit dem Klima der Intoleranz. Tatsächlich geht es rein sachlich in dieser Debatte um Bürger mit Migrantionhintergrund und nicht um Migranten. Rhetorisch hat das Verwischen der Grenzen nur einen einzigen Zweck, und das ist uns allen klar, sogar, wie ich vermute, Broder, ebenso, daß man weiterhin bei Gewalt mit Migrationshintergrund nicht die einfachen Schlüsse ziehen kann, wie er das im direkt folgenden Satz sagt:

Stellt man ihm die Frage, warum es bei Migranten mit primär asiatischem Hintergrund nicht die gleichen Probleme wie bei Migranten mit arabischem bzw. muslimischem Hintergrund gibt, schreit er gleich “Rassismus”, obwohl es nicht um Rasse, sondern um Kultur und Erziehung geht, die sich im täglichen Verhalten niederschlagen.

Ein Blick in Polizeiberichte könnte Broder vielleicht bei der Differenzierung helfen. Oder Nachdenken. Integration in eine Gesellschaft, die, wie Broder quasi selbstlos demonstriert, die hier geborenen und Aufgewachsenen als im Grunde gerade erst Zugewanderte begreift, bei gleichzeitiger deutlicher Abwertung des Zugewanderten gegenüber dem hier Geborenen, ist eben ein schwieriges Unterfangen. Nicht überraschend in einem Land allerdings, in dem erst seit knapp mehr als zehn Jahren die Bindung von Staatsbürgerschaft an Blut aufgegeben wurde. Das spricht sich eben nicht so schnell herum. Dem von Broder Angegriffenen der “gleich ‘Rassismus'” schreit ist im Übrigen beizuspringen. Den Broders Attacke zugrundeliegenden frustrierenden Sachverhalt hat Lysis erkannt und beschrieben:

Ich finde es immer wieder verblüffend, dass Statistiken, die in Deutschland quer durch die politische Bank zur Hetze gegen Migrant_innen verwendet werden — nämlich dass “Ausländer” an Straftaten überproportional beteiligt seien —, im Diskurs über Schwarze in den USA allein für die Gewalt rassistischer Verhältnisse stehen. Es ist wie verhext: Selbst die Jungle World käme nie auf die Idee, die mit “Südländern” vollgepropften Gefängnisse als Teil einer die gesamte deutsche Gesellschaft durchziehenden rassistischen Maschinerie zu deuten. Denn auch hier wird die “Kriminalität”, die von migrantischen Jugendlichen “ausgeht”, noch immer diesen selbst vorgehalten statt den Verhältnissen, die sie dort positionieren, wo man zum Delinquenten* (gemacht) wird.

Nun. Dem ist nichts weiter zuzufügen. Außer der in meinen Broderkommentaren fast schon erwarteten Empfehlung an den herrn Broder, doch mal ein gutes Buch zu lesen. Und der Hoffnung, daß Broder das nicht ernst meint, sondern nur vonm rechten Rand aus ein bißchen provozieren will. Durch sein Endorsements gewisser ähnlich schwachdenkender blogs (wie der hier kritisierte) sinkt allerdings die Wahrscheinlichkeut für sowas.

Watchblog Islamophobie ist geschlossen.

lysis schreibt letzte Woche

Das Watchblog Islamophobie ist an diesem Wochenende leider abgeschaltet worden. Hauptgrund ist die Erkrankung von Bigberta, deren langjähriges Engagement von Huib Riethof hier noch einmal gewürdigt wird.

Im Hintergrund dürften aber auch die Angriffe durch Udo Ulfkotte eine Rolle spielen, der mit seiner Organisation Pax Europa den “Counter-Jihad” ausgerufen hat und seit einiger Zeit an einer Allianz rechter europäischer Parteien gegen den “Islam in unseren Städten” schmiedet. Durch Klagen konnte er die Betreiber des Watchblogs, welche ihm u.a. diverse antisemitische Äußerungen nachgewiesen hatten, in gleichermaßen ruinöse wie nervenaufreibende Prozesse verwickeln, die, um es vorsichtig auszudrücken, der Gesundheit von Bigberta sicher nicht förderlich gewesen sind.

Ich hab den watchblog aus meiner blogroll genommen, aber die verlinkungen zum watchblog in verschiedenen Artikeln hier werde ich wohl nicht so schnell austauschen können.

Europäische Islamophobie

SPON berichtet über eine neue Studie

Klare Mehrheiten in allen untersuchten europäischen Staaten empfinden eine “verstärkte Interaktion zwischen dem Westen und der islamischen Welt” als Bedrohung: 79 Prozent in Dänemark, 68 in Spanien, 67 in Italien und den Niederlanden. Die Vermutung, Israelis und Amerikaner müssten sich mindestens ebenso bedroht fühlen, ist so naheliegend wie falsch: 70 Prozent der Amerikaner und 56 Prozent der Israelis finden mehr Interaktion gut – ebenso wie umgekehrt Mehrheiten in Ägypten, den Palästinensergebieten, der Türkei und Iran.

Woher die besondere Berührungsangst der Europäer? Die Autoren der Studie führen das wachsende Unbehagen an der Zuwanderung aus islamischen Ländern an, die Wahrnehmung, der Islam bedrohe Europas kulturelle Identität. Belege dafür gingen kürzlich auch beim SPIEGEL ein, der zu Weihnachten eine Titelgeschichte über den Koran druckte: Leserbriefschreiber berichteten, sie fühlten sich “vom Islam überrollt und erdrückt”, Europa werde “gezielt islamisiert”; die Religion der Muslime “nerve”, Leser des Korans liefen “als ein Rudel Schwachköpfe, Bombenleger, Kinderschänder und Steinzeitproleten durch die Gegend”. Ausruf eines Lesers aus Berlin: “Gott schütze uns vor dem Islam.”

Fand ich ganz interessant. Der Artikel selbst ist schlecht durchdacht, aber na gut. Das gleiche (“na gut”) gilt auch für solche Studien im Allgemeinen, aber immerhin fand ich den Artikel zumindest lesenswert.

Die FPÖ ist lustig. SPON nicht.

SPON schreibt

Die Spitzenkandidatin der Freiheitlichen Partei, Susanne Winter, nutzt den Empfang, um die Anhänger ihrer Partei zu mobilisieren, einer Partei, die sich in der Vergangenheit immer wieder auf Kosten von Ausländern und Minderheiten profilierte.

Doch was ihre Anhänger jetzt zu hören bekommen, war bisher noch nicht da. Die Spitzenkandidatin sieht ihr Heimatland in Gefahr: Es drohe ein “islamischer Einwanderungs-Tsunami über Graz”. In 20 oder 30 Jahren werde die Hälfte von Österreichs Bevölkerung muslimisch sein. Es gelte daher, den Islam – “ein totalitäres Herrschaftssystem” – “dorthin zurückzuwerfen, wo er hergekommen ist: jenseits des Mittelmeeres”.

Trauriger Höhepunkt ihrer Tirade ist ein Angriff auf den Religionsgründer selbst: “Im heutigen System” wäre Mohammed “ein Kinderschänder”. Winter spielt damit auf die angebliche Ehe des Propheten mit einem sechsjährigen Mädchen an und zieht eine Linie zu kriminellem Verhalten in der Gegenwart: Es gebe “einen weit verbreiteten Kindesmissbrauch durch islamische Männer”, sagt sie. Außerdem, so polemisiert Winter weiter, sei Mohammed ein Feldherr, der den Koran in “epileptischen Anfällen” geschrieben habe.

Das werde ich zwar nicht kommentieren, aber hinweisen möchte ich schon darauf, daß SPON ähnlich dumme und rassistische Äußerungen ungekürzt publiziert (von mir in diesem blog mehrfach kommentiert) und ähnlich dumme und rassistische Sentiments bedient. Weil es aber die FPÖ ist, ist es auf einmal “traurig”. Das ist doch die blanke Heuchelei, um nicht zu sagen: Bigotterie. Das ist doch zu blöde.