Broder, oder der Haß. Eine Komödie in vielen Akten.

Ach, was soll ich noch sagen nach gefühlten 100 Kommentaren über Broders erhellende Weisheiten. Der gute Herr Broder hat sich wieder im Ton vergriffen und zwar nicht gerade wenig. In seinem Kommentar zu Jens Jenssens unglücklich formuliertem ZEIT-Videokommentar, der tatsächlich nicht unproblematisch ist, nutzt er die Gelegenheit, seinen gewohnten (gewöhnlichen?) Haß zu verbreiten. Da sagt er

Vollends auf die “Ausländerfeindlichkeit” fixiert, will er nicht wahrhaben, dass es […] nicht nur “Bürger mit Migrationshintergrund”, sondern auch “Migranten mit kriminellem Hintergrund”.

und demonstriert, was genau Jenssen mit Ausländerfeindlichkeit meint und mit dem Klima der Intoleranz. Tatsächlich geht es rein sachlich in dieser Debatte um Bürger mit Migrantionhintergrund und nicht um Migranten. Rhetorisch hat das Verwischen der Grenzen nur einen einzigen Zweck, und das ist uns allen klar, sogar, wie ich vermute, Broder, ebenso, daß man weiterhin bei Gewalt mit Migrationshintergrund nicht die einfachen Schlüsse ziehen kann, wie er das im direkt folgenden Satz sagt:

Stellt man ihm die Frage, warum es bei Migranten mit primär asiatischem Hintergrund nicht die gleichen Probleme wie bei Migranten mit arabischem bzw. muslimischem Hintergrund gibt, schreit er gleich “Rassismus”, obwohl es nicht um Rasse, sondern um Kultur und Erziehung geht, die sich im täglichen Verhalten niederschlagen.

Ein Blick in Polizeiberichte könnte Broder vielleicht bei der Differenzierung helfen. Oder Nachdenken. Integration in eine Gesellschaft, die, wie Broder quasi selbstlos demonstriert, die hier geborenen und Aufgewachsenen als im Grunde gerade erst Zugewanderte begreift, bei gleichzeitiger deutlicher Abwertung des Zugewanderten gegenüber dem hier Geborenen, ist eben ein schwieriges Unterfangen. Nicht überraschend in einem Land allerdings, in dem erst seit knapp mehr als zehn Jahren die Bindung von Staatsbürgerschaft an Blut aufgegeben wurde. Das spricht sich eben nicht so schnell herum. Dem von Broder Angegriffenen der “gleich ‘Rassismus'” schreit ist im Übrigen beizuspringen. Den Broders Attacke zugrundeliegenden frustrierenden Sachverhalt hat Lysis erkannt und beschrieben:

Ich finde es immer wieder verblüffend, dass Statistiken, die in Deutschland quer durch die politische Bank zur Hetze gegen Migrant_innen verwendet werden — nämlich dass “Ausländer” an Straftaten überproportional beteiligt seien —, im Diskurs über Schwarze in den USA allein für die Gewalt rassistischer Verhältnisse stehen. Es ist wie verhext: Selbst die Jungle World käme nie auf die Idee, die mit “Südländern” vollgepropften Gefängnisse als Teil einer die gesamte deutsche Gesellschaft durchziehenden rassistischen Maschinerie zu deuten. Denn auch hier wird die “Kriminalität”, die von migrantischen Jugendlichen “ausgeht”, noch immer diesen selbst vorgehalten statt den Verhältnissen, die sie dort positionieren, wo man zum Delinquenten* (gemacht) wird.

Nun. Dem ist nichts weiter zuzufügen. Außer der in meinen Broderkommentaren fast schon erwarteten Empfehlung an den herrn Broder, doch mal ein gutes Buch zu lesen. Und der Hoffnung, daß Broder das nicht ernst meint, sondern nur vonm rechten Rand aus ein bißchen provozieren will. Durch sein Endorsements gewisser ähnlich schwachdenkender blogs (wie der hier kritisierte) sinkt allerdings die Wahrscheinlichkeut für sowas.

Broder nach Zahlen (Update)

Ach, ich weiß gar nicht, ob ich dazu was sagen soll. Aber der Vollständigkeit halber. Broder, der wie ich offenbar nichts besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als herumzupöbeln (ist er auch krank? Ein Arzt hat mir heute gesagt: erstmal 12 Stunden nichts essen und schwarzen Tee (in Massen) sowie moderate Mengen ausgesprudelter Cola trinken. Bitteschön, lieber Henryk), schrieb zum Attentat auf Bhutto folgendes

Zwei Tage nach der Ermordung von Benazir Bhutto breitet sich in Pakistan das Chaos aus, und der Rest der Welt ist entsetzt und ratlos. Wie konnte es nur soweit kommen? Wusste Frau Bhutto nicht, welche Gefahr ihr drohte? Warum wurde sie nicht besser geschützt?

Unruhen in Pakistan nach dem Bhutto-Mord: Die Welt ist entsetzt – und ratlos
Und vor allem: Wird es in Pakistan im Januar demokratische Wahlen geben?

[…]

Dass die islamischen Fundamentalisten, die nicht nur Frau Bhutto ermordet, sondern auch Tausende ihrer Landsleute vom Leben zum Tode befördert haben, nur noch eine Armlänge von der Verfügungsgewalt über Atomwaffen entfernt sind, bereitet den Kommentatoren nur leichte Kopfschmerzen. Denn wenn Indien die A-Bombe hat, dann kann man es den Pakistanern nicht übelnehmen, dass sie mit dem großen Nachbarn auf gleicher Augenhöhe kommunizieren wollen.

Dieser Artikel spricht ja im Grunde für sich. Es ist ja der selbe dumme Mist, den er auch schon in Buchform veröffentlicht hat. Interessant ist nur, daß es ja nur womöglich gar keine Islamisten waren, sondern die machtbewußte Regierung. Oder so. Es ist schon faszinierend, wie schnell Broder aufschreit, sobald ihm etwas in sein schlecht denkendes (und unterirdisch unbelesenes) Hirn paßt. Ich muß mal suchen. Es gibt bestimmt eine Stellungnahme von Christopher Hitchens.

PS. Tatsächlich, es gibt eine und Hitchens’ Stellungnahme ist weit weniger haßerfüllt als Broders. Klar, daß sich die Meinungen dieser beiden Geistesgrößen nur wenig unterscheiden, aber durch die Hereinnahme von Bhutto in den Kreis der zumindest teils Bösen ergibt sich irgendwie (correct me if I’m wrong) differenzierteres Bild.

Who knows who did this deed? It is grotesque, of course, that the murder should have occurred in Rawalpindi, the garrison town of the Pakistani military elite and the site of Flashman’s Hotel. It is as if she had been slain on a visit to West Point or Quantico. But it’s hard to construct any cui bono analysis on which Gen. Pervez Musharraf is the beneficiary of her death. The likeliest culprit is the al-Qaida/Taliban axis, perhaps with some assistance from its many covert and not-so-covert sympathizers in the Pakistani Inter-Services Intelligence. These were the people at whom she had been pointing the finger since the huge bomb that devastated her welcome-home motorcade on Oct. 18.

She would have been in a good position to know about this connection, because when she was prime minister, she pursued a very active pro-Taliban policy, designed to extend and entrench Pakistani control over Afghanistan and to give Pakistan strategic depth in its long confrontation with India over Kashmir. The fact of the matter is that Benazir’s undoubted courage had a certain fanaticism to it.

On Moderate Islam

Eboo Patel’s Washington Post Online post of today is nice. It resonates with some things I was thinking about since reading that odious article by Mr. Broder weeks ago and it, while replete with strange and invalid assumptions, makes an important point. I will quote the bulk of it here, just to raise the chances of it being read by those too lazy to follow up on the links

My wife was at a dinner party last week and someone asked about the English woman in the Sudan […] My wife’s friend asked: “Does Islam really say that she should be punished?” “I don’t want to talk about it,” my wife responded.
[…] But her friend still wanted an answer to her question. And if my wife wasn’t going to provide one, then she would have to find someone who would. In this case, it was Ayaan Hirsi Ali, who wrote an OpEd in The New York Times effectively stating that Islam requires Muslims to severely punish teachers who name teddy bears Muhammad (Sudan), rape victims who are accused of being in the presence of a man who is not a family member (Saudi Arabia) and female writers who criticize Islam (India).
Ayaan Hirsi Ali is right on two important points. The first is that all of these punishments are appalling and brutal. The second is that moderate Muslims should be louder about these matters. There are some things that are true even if Ayaan Hirsi Ali believes them.
[…] Hirsi Ali and people like her are widely-read because they offer a theory of the problem: they tell the world a convincing story of why Muslims keep popping up on the front pages of newspapers in negative articles. Hirsi Ali’s theory, and the theory of other Islamophobes, is that Muslims have dirty laundry because the body and soul of Islam are dirty. […]
A lesson for mainstream Muslims: Whenever you don’t offer a theory of the problem, someone else will. When there is a vacuum of information about a hot topic and you don’t fill it, other people will aggressively move in.
Too many mainstream Muslims believe they have only two options in the face of the current discourse on Islam: angry indignation or stony silence.
I believe there is a third way. It is what University of Michigan Professor Sherman Jackson, one of America’s leading scholars of Islam, calls ‘Islamic literacy’.
Here is how someone literate in Islam, Muslim or not, might have responded to Ayaan Hirsi Ali’s contention that Islam and compassionate conscience are mutually exclusive. First, by saying that there should be no excuses made for those who sought the punishments in any of the three cases she named. They were indeed brutal, and as such, were in conflict with the core ethos of Islam – compassion and mercy, which are enshrined both in the Muslim tradition and in the human conscience.
Compassion and mercy are the two most repeated qualities of God in Islam, best illustrated by the most common Muslim prayer, “Bismillah Ar-Rahman Ar-Rahim” – In the name of God, the Most Compassionate, the most Merciful. As they are qualities of God, they are attributes that Muslims are required to emulate.
Compassion and mercy are also enshrined in the first lesson that classical Muslim scholars would teach their students, what came to be known as the Tradition of Primacy in Islam: “If you are merciful to those on Earth, then He who is in Heaven will be merciful to you.”
Islam, like other traditions, has internal contradictions. The Qur’an and Muslim law say different things in different places. That is precisely why compassion and mercy play such an important role in Muslim interpretation and practice. When in doubt about how to deal with a particular situation, a Muslim should always be guided by compassion and mercy. […]
Khaled Abou El Fadl, one of America’s most important scholars of Islamic thought and law, believes that people are required to bring their God-given compassion to the reading of the text of the Qur’an. “The text will morally enrich the reader, but only if the reader will morally enrich the text.,” he writes in a remarkable essay called The Place of Tolerance in Islam.
Shaykh Hamza Yusuf, the most prominent Muslim scholar and preacher in the West, wrote in a piece for this website, “Unfortunately, millions of Muslims all over the globe are humiliated and betrayed by the ignorance and lack of basic humanity that a small minority of Muslims too often exhibits.” […]

Broder über Barth

Da haben sich die zwei richtigen getroffen. Broder schreibt einen dämlichen Artikel über den dämlichen Barth. Gegen Ende schreibt er

Dennoch bleibt der Aufstieg von Mario Barth zum Superstar ein Mysterium. Die perfekte Vermarktungsmaschine, die hinter ihm mittlerweile brummt, kann die offenkundig bestehende Nachfrage ja nur bedienen oder allenfalls befeuern, aber nicht selbst schaffen.

Die Antwort liegt auf der Hand: wenige ‘Comedians’ bedienen so sehr und so ausschließlich das gleiche menschenfeindliche Klischee vom Mann und der Frau die vom Mars respektive der Venus kommen (eine Art Kommentar dazu schrieb ich hier). Und das hätte Broder doch auffallen können, schließlich verdankt er seinen ‘Erfolg’, in jüngster Zeit jedenfalls, ebenfalls nicht seiner Brillianz, sondern der Tatsache, daß er seit einigen Jahren unermüdlich ebenfalls immer wieder die gleichen menschenfeindlichenKlischees bedient. Gut, in seinem Fall sind es andere. Das ist aber auch schon alles.

Lustige Bücher kann man nie genug haben

Weltoktober, von Thorsten Mann.

Der Name Michail Gorbatschows ist bis heute mit dem Ende des “real existierenden Sozialismus” verbunden. In den 1980er Jahren wurde von ihm unter dem Begriff der “Perestroika” ein Prozess eingeleitet, der zur Auflösung der Sowjetunion, des Warschauer Paktes und zur deutschen Wiedervereinigung führte. Dieser Prozess verlief zum Erstaunen vieler Analysten relativ friedlich, nur wenige Beobachter stellten die Frage nach dem Warum. Fiel die Berliner Mauer auf Veranlassung des KGB? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Aufbau der Europäischen Union, die immer sozialistischere Züge trägt? Welche geheimen Interessen verfolgte Gorbatschow wirklich? Ist der Kommunismus wirklich tot oder steht die Welt im Zuge der Globalisierung unmittelbar vor dem Zusammenbruch der kapitalistischen Weltwirtschaft? Wird dies zu einem Wiedererstarken der marxistischen Ideologie führen, gefolgt von einer neuen Oktober-Revolution, dem Weltoktober?

Torsten Mann zeigt, dass der Zerfall der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten sowie der Übergang zu marktwirtschaftlichen Verhältnissen nur eine raffiniert inszenierte Täuschung war, eine Täuschung, die dem Ziel dient, eine seit Lenins Zeiten bestehende geheime flexible Langzeitstrategie umzusetzen, zur Errichtung einer sozialistischen Neuen Weltordnung.

Ich bin schon wieder vom Stuhl gefallen vor Lachen. Erst Broder mit seiner ganz speziellen Theorie der Islamphobie und nun das. Ich sollte den Wippermann anrufen.

via classless kulla

Aktion Wir helfen Broder

Würden wir nicht jeden Tag von Selbstmordattentaten im Namen Allahs lesen, bei denen Hunderte von Menschen massakriert werden, wären die Attentäter vom 11. September nicht gläubige Muslime gewesen, die davon überzeugt waren, dass sie göttlichen Willen vollstrecken und dafür im Paradies belohnt werden, wüssten wir nicht von öffentlichen Hinrichtungen an Homosexuellen und Steinigungen von Frauen im Gottesstaat der Ajatollahs, von Ehrenmorden in Amsterdam und Berlin, hätte kein Mensch Angst vor dem Islam und den Muslimen.

Ich bin grade vom Stuhl gefallen vor Lachen beim Lesen des letzten SPON Artikels des herzigen Herrn Broder. Kann bitte jemand dem Herrn Broder ein Buch kaufen oder ihm einen Büchereiausweis besorgen? Bitte. Bildung ist ein Menschenrecht . Man sollte sie Broder nicht vorenthalten. Man muß nicht einmal die einschlägige Studie des Runnymede trust lesen oder Edward Saids frühes Werk (bis und inklusive Orientalism). Es reicht schon, einmal über den oben zitierten Text nachzudenken. Wenn man dann darauf kommt, welche Prämissen in ihn eingingen und wieso deshalb manche Schlüsse, die Herr Broder zieht, nur so dauerhaft sind wie diese fragwürdigen Prämissen (die er in anderen Bereichen selbst nicht annimmt übrigens), dann wäre man schon weiter.

Ps. Der watchblog islamophobie hat sich auch zum von Herrn Broder in offensichtlich angetrunkenem Zustand kommentierten Abend geäußert:

Für die “Problemdastellung” waren Frau Illner und Frau Ates (mit Gastauftritt von Mina Ahadi) zuständig, doch die anderen Diskutanten redeten konstruktiv miteinander.

Erstmal hiess die Sendung: unser Vorurteil, ihr Glaube. – Passt der Islam nach Deutschland.

Es war alles sehr freundlich, verständnisvoll, dialogorientiert

Thea Dorn

Bei Menschen, die in einer Sache etwas Richtiges sagen, bin ich immer maßlos enttäuscht, wenn sie dann ärgerliche Sachen auf anderen Gebieten erzählen. Und selten kommen gut und schlecht so oft im Doppelpack wie beim Feminismus. Thea Dorn ist eine der wenigen Menschen in Deutschland, die ein großes Publikum hat und trotzdem quasi reihenweise sinnvolle Dinge über den Feminismus zu sagen hat. Ob sie über Eva Hermann oder über den Feminismus allgemein spricht, es ist immer ziemlich genau und zutreffend, was sie zu sagen hat, aber wenn man sie nur ein bißchen läßt, sagt sie im Anschluß immer noch etwas über den Islam. Der scheint ja ohnehin heute in jedes Diskussionseckchen zu passen, neuerdings auch in die Anti-Pauli-Hetze der Welt . Bei Thea Dorn fängt das dann bei wohlfeilem Muslim-Bashing an und hört damit auf, daß man in der Bücherfernsehsendung die man ganz anständig moderiert, dem unsäglichen Herrn Broder Zeit, Raum und Lob für seine wirklich übelriechende Dummheit gibt. Diese Menschen, die Schwierigkeiten mit komplexen Sachverhalten haben und dann gerne den anderen die Beschränktheit vorwerfen, die sie selbst zur Schau tragen. Beim Herrn Broder ist da schon nichts mehr zu hoffen. Aber Thea Dorn? Womit wir beim Ausgangsärger wären. Wieso können Menschen, die sich bei einem wichtigen und schwierigen Sachverhalt vernünftig aufführen, das nicht auch bei anderen tun?
Furchtbar, das.